Das Spiel [Freitagsfliegen]

Das ist vielleicht (definitiv) nicht mein bester Beitrag. Aber ich sitze gerade im Unterricht – meine Möglichkeiten sind eingeschränkt 😀

Ich hoffe, ihr lest ihn trotzdem gern.


Ich weiß, eigentlich sollte ich aufpassen, während des Unterrichts. Aber ganz ehrlich: in Informatik habe ich das ganze Jahr übe noch nichts Neues gelernt. Und das werde ich wohl auch nicht. Also schreibe ich jede Woche aufs neue den Code in zwei Minuten, für den die anderen zwei Stunden brauchen und verbringe den Rest der Zeit damit, über Blogs und Soziale Medien zu lesen.

Gerade bin ich vertieft in einen Artikel zur Sicherheit biometrischer Passwörter, als auf meinem Bildschirm plötzlich ein Pop-up Fenster auftaucht. Eine Chat-Anfrage auf MSN – das auf diesen Rechnern eigentlich gar nicht installiert sein sollte. Ich sehe mich um, aber meiner scheint als einziger Computer betroffen zu sein. Meine Neugier siegt und ich öffne das Fenster.

Du solltest besser aufpassen im Unterricht.

Wieder sehe ich mich um. Diese Nachricht musste ja von jemanden aus meiner Klasse kommen. Aber alle schienen beschäftigt.

Wer bist du?, fragte ich zurück. Die Antwort kam prompt, jedoch nicht so wie erwartet.

Du solltest besser aufpassen im Leben.
Wem du vertraust.
Wohin du gehst.
Wer dich beobachtet.

Ich wusste, es war vermutlich nur ein dummer Streich, doch Gänsehaut überzog meine Arme und kroch mir in den Nacken.

Ich habe nichts zu verbergen, tippte ich. Eine Lüge, doch ich hoffte, sie würde demjenigen genügen.

Gleichzeitig öffnete ich ein neues Fenster, versuchte denjenigen zu finden, der mir schrieb. Ich reihte Code an Code aneinander – drückte auf Enter – keine Ergebnisse. Keine Fehlermedung, keine Ergebnisse. Meine Suche verlief sich im Nichts. Das war nicht einfach irgendein Streich. Keiner aus meiner Klasse könnte sich so vor mir verbergen.

Statt nach mir zu suchen, schau lieber in deine rechte Jackentasche.

Ich zögerte. Nachzugeben würde ihm – oder ihr – Recht geben. Doch meine Finger fanden ihren Weg von allein und förderten einen kleinen Zettel zu Tage. Ich faltete ihn auf, hielt die Luft an. Eine Internetadresse, nichts weiter. Aber so blöd war ich nun wirklich nicht.

Gib sie ein.

Warum sollte ich?

Es ging einen Moment. Dann:

Weißt du, wo deine Mum gerade ist? Eine ganz normale Frage, für jeden außer mir. Wer wusste wo meine Mum war, konnte sie hinter Gittern bringen. Mit einem einzigen Anruf – deswegen wusste nicht einmal ich es, wenn sie nicht gerade auf meiner Türschwelle auftauchte. Alle in meiner Klasse dachten, sie wäre tot.

Ich schon.

Derjenige ließ mir keine Zeit zu antworten, schickte sofort ein Bild. Ich schielte hinüber auf die Bildschirme neben mir. Die Anderen waren beschäftigt, schenkten mir so wenig Aufmerksamkeit wie immer. Ich öffnete das Bild.

Ein Screenshot der Aufnahmen einer Überwachungskamera. Der Datums- und Uhrzeitstempel: von vor 20 Minuten. Das Bild war verpixelt, der Winkel schlecht. Aber ich erkannte meine Mutter, ihren scharzen Mantel. Sie lehnte an einer niedrigen Mauer und blickte auf etwas, dass außerhalb des Bildbereichs lag. Müsste ich raten, würde ich sagen sie kundschaftete ihr nächstes Ziel aus. Ein Museum vielleicht oder die Villa eines Sammlers.

Es tat weh, aber ich schloss das Bild ehe es doch noch jemand sah.

Was willst du?, fragte ich nun doch.

Die Adresse, gib sie ein.

Ich wollte nicht, aber ich tat es. Was blieb mir anderes übrig?

Ein schwarzer Hintergrund lud sich, eine einzelne Zeile Text in der Mitte:

Wilkommen im Spiel.

Darunter ein Countdown:

3 Tage, 4 Stunden, 31 Minuten, 12 Sekunden

Long Street, Ecke 81st

Und:

Wer nicht kommt, verliert. Wer verliert, stirbt. Du hast nur eine Möglichkeit: Gewinnen.


Das ist vielleicht (definitiv) nicht mein bester Beitrag. Aber ich sitze gerade im Unterricht - meine Möglichkeiten sind eingeschränkt 😀 Ich hoffe, ihr lest ihn trotzdem gern. Ich weiß, eigentlich sollte ich aufpassen, während des Unterrichts. Aber ganz ehrlich: in Informatik habe ich das ganze Jahr übe noch nichts Neues gelernt. Und das werde ich … Das Spiel [Freitagsfliegen] weiterlesen

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Im Zirkel [Freitagsfliegen]

Jap, ich habe endlich einen Rubriktitel gefunden. Freitagsfliegen – die Geschichten, die mir einen Tag lang im Kopf rumspuken, aber wenn ich versuche sie ganz einzufangen, sind sie längst wieder zum Fenster raus und auf und davon geflogen. Ergibt keinen Sinn? Für mich schon.

Aber jetzt erst mal frohes Lesen 😉


Es war ein ganz normaler Donnerstag. Fangen so nicht die besten Geschichten an? Es war ein ganz normaler Tag, bis…? Tja, meine fängt nicht so an. Denn ich habe seit zwei Jahren keinen normalen Tag mehr erlebt.

Mein Name ist Tessa und ich bin eine Aussätzige. Kranke, Kriminelle, Talentlose, Loser, Entstellte – all jene,die in unserer perfekten Gesellschaft keinen Platz haben, leben wie ich hier im Zirkel. Zu welcher Kategorie gehöre ich? Wie bin ich hier gelandet, in der Stadt im angeblichen Nirgendwo? Aufgeteilt in zwölf Ringe, in zehn davon ist ein Menschenleben weniger wert als das Stück Brot, das seine Finger halten, überwacht vom großen Turm aus Glas, der doch so undurchsichtig ist wie jede andere Mauer auch. Wieso bin ich hier?
Mittlerweile könnte man mich wohl als Kriminelle bezeichnen. Das muss man wohl sein um im Zirkel zu überleben. Aber gelandet bin ich hier aus einem anderen Grund. Und das ist mein Feigling von Vater. Er hat definitiv zu der Kategorie der Verbrecher gehört – zu der Sorte, die so dumm gewesen war sich erwischen zu lassen.

Bis vor zwei Jahren war ich Tiziana Sophie-Mirabelle Cantora die Dritte, Tochter und Erbin des Cantora-Unternehmens samt Vermögen. Ich war erst 15 Jahre alt, aber ich tat was immer ich wollte und wenn das jemandem nicht passte, dann ließ ich ihn feuern – ob er für meinen Dad oder jemand Anderen arbeitete, spielte dabei keine Rolle. Mit Geld konnte man in Saint Stormhold, der angesagtesten Küstenstadt des Landes, alles kaufen. Und ich hatte Geld bis zum Umfallen. Ich lebte wie eine Prinzessin. Gut, es war das Geld meiner Eltern – genauer gesagt, das Geld meines Vaters. Der sich dieses Geld aber, wie sich herausstellen sollte, nicht nur durch seine legalen Geschäfte mit Immobilien und Aktien verdient hatte, sondern vor allem durch seine illegalen Geschäfte mit der Mafia. Als die Polizei ihn erwischt hat, hätte er sein Geld und seine Verbindungen leicht nutzen können um uns hier im Zirkel ein gutes Leben im dritten, vielleicht sogar im zweiten Ring zu erkaufen, aber nein. Viel lieber hat er es genutzt um sich selbst vom Acker zu machen – Mum, meinen Bruder und mich hat er dabei einfach sitzen lassen. Weil er geflohen war, hat dann aber die Regierung natürlich unser Vermögen eingezogen und so sind wir hier gelandet, im zehnten Ring, ohne irgendwas außer dem was wir noch am Leib trugen und den zwei Lebensmittelkarten, die wir bekommen hatten. Eine halbe Stunde nach unserer Ankunft waren uns auch die geklaut worden. Und von den Mafiakontakten meines Vaters hatten wir auch nichts, denn wir kannten sie nicht. Das war der Regierung aber genau so egal wie unserem Vater.

So sind wir hier gelandet, in diesem Loch von Zimmer, mit einer Herplatte, einer kaputten Heizung und einer Glühbirne, deren Licht wir uns doch nicht leisten konnten. Mit den Nägeln in den Wänden, die mein Bruder Marcus irgendwann irgendwo geklaut hatte, und an denen nun unsere zweite Garnitur Klamotten hing. Und natürlich noch mit den zwei dünnen Matratzen auf dem Boden. Nur zwei?
Die dritte haben wir verkauft, kurz nachdem Mum gestorben war – woran wissen wir bis heute nicht. Ob an Kummer oder an einer Krankheit, die sie sich eingefangen hat, als sie mit irgendeinem Abschaum geschlafen hat um uns zu ernähren.

Jetzt hocken wir also in diesem Loch, Marcus und ich. Aber nicht mehr lange, das habe ich mir geschworen. Ich hole uns hier raus. Und anfangen werde ich damit heute Abend. Sobald ich einen Weg in die inneren Ringe gefunden habe.

Mein Name ist Tessa, 17 Jahre alt, flinke Finger. Aber ich war die längste Zeit nur eine kleine Taschendiebin.


 

Jap, ich habe endlich einen Rubriktitel gefunden. Freitagsfliegen - die Geschichten, die mir einen Tag lang im Kopf rumspuken, aber wenn ich versuche sie ganz einzufangen, sind sie längst wieder zum Fenster raus und auf und davon geflogen. Ergibt keinen Sinn? Für mich schon. Aber jetzt erst mal frohes Lesen 😉 Es war ein ganz … Im Zirkel [Freitagsfliegen] weiterlesen

Frischfleisch [insert cool Rubrik-Titel here]

Ähem…. Ja. Fünf Wochen später und ich hatte immer noch keine Idee, wie ich die Kategorie für die Szenen/Geschichten/Schreibunfälle, die ich hier Freitags poste ohne sie zu überarbeiten, nennen soll. HILFE!! Ich habe schon Freitagsschnipsel, Blitzgeschichten, Freitagsfantasien (das klang irgendwie zu zweideutig, finde ich) und ein paar andere verworfen. Habt ihr vielleicht eine Idee? Dann lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Ansonsten jetzt viel … Spaß? mit der Szene für diese Woche.


Wie süß eine Erinnerung ist, ehe jemand sie verdirbt. Meistens derjenige, der auch darin vorkommt. Wie wertvoll sie sind, diese winzigen Momente, in denen ein Wort, ein Geräusch, ein Ort ein Geruch, einen plötzlich durch die Zeit zurück transportiert zu etwas, das längst vergangen ist. Aber dann ist man für einen Augenblick wieder dort, an dem Strand bei Sonnenuntergang, die Zehen im Sand, die Sonne im Rücken, und er sieht einen an, mit diesem Lächeln, diesen Grübchen und den unheimlich blauen Augen, die einem zu vermitteln scheinen, dass er nie etwas schöneres gesehen hat. Und man spürt die Wärme im Magen, die sich im ganzen Körper ausbreitet, wenn er die Hand ausstreckt und mit den Fingerspitzen über deine Wange fährt. Das Kribbeln, wenn man realisiert, dass das Leben in genau diesem Moment perfekt ist, bevor er sagt, dass er dich liebt und du erkennst, dass es immer noch besser geht – so lange er nur an deiner Seite ist.
Bis er es nicht mehr ist. Weil seine ach so blauen Augen lügen und seine Lippen gar nicht wissen, wie man die Wahrheit sagt. Weil er irgendwann beschließt, dass du doch nicht gut genug bist, weil er eine Andere gesehen hat, Frischfleisch, und sie zu sich ins Bett gelockt hat. Und du bleibst zurück, allein, gebrochen und gedemütigt.
Nein. Nie wieder.

Ich sah ihn an, wie er da stand, in Boxershorts neben dem Bett, in dem sich die Hure versteckte, die er sich nach mir genommen hatte. Die Hand, die er mir entgegenstreckte, ganz ruhig, ruhiger als meine eigenen Hände, die zitterten, während sie die Pistole auf ihn richteten.
„Ich weiß, du liebst mich“, sagte er, machte noch einen Schritt um mir die Waffe abzunehmen.
„Das habe ich.“ Und für eine Sekunde setzte die Welt aus, alles hielt an. Dann ein unglaublich lauter Herzschlag in meiner Brust, der endlich das Zittern meiner Finger sterben lässt, kurz bevor ich abdrücke.

Zwei Mal.

Das war’s. Er kippt hinten über, fällt rücklings auf den Boden, bleibt liegen. Blut breitet sich aus und er blickt kalt an die Decke. Tot.
Das Mädchen in seinem Bett beginnt zu schreien, aber als ich die Waffe auf sie richte, wird sie wieder stumm.
„Glaub mir,“ sage ich, „Ich habe dir einen Gefallen getan.“ Damit drehe ich mich um, verlasse den Raum, die Wohnung, das Haus. Den Revolver werfe ich auf meinen Beifahrersitz und fahre raus an die Küste. Aber ich bringe es nicht über mich noch einmal auszusteigen.

Der Knall hallt in meinem Auto wieder.

Ähem.... Ja. Fünf Wochen später und ich hatte immer noch keine Idee, wie ich die Kategorie für die Szenen/Geschichten/Schreibunfälle, die ich hier Freitags poste ohne sie zu überarbeiten, nennen soll. HILFE!! Ich habe schon Freitagsschnipsel, Blitzgeschichten, Freitagsfantasien (das klang irgendwie zu zweideutig, finde ich) und ein paar andere verworfen. Habt ihr vielleicht eine Idee? Dann … Frischfleisch [insert cool Rubrik-Titel here] weiterlesen

Gin zum Vorspiel

Nein, mir ist immer noch kein neuer Rubrik-Titel eingefallen. Aber ich arbeite daran! Bis dahin: viel Spaß!


In der Bar herrschte nur schummriges Licht. Im Halbdunkeln saßen erst wenige Gäste, es war noch zu früh für den großen Ansturm. Vor der Tür hatte ich draußen zwei der Kellnerinnen gesehen, wie sie in Ruhe eine Zigarette rauchten. Hinter der Theke stand ein bärtiger Barkeeper, der – wie in einem schlechten Film – ein paar Gläser polierte. Als ich mich auf einen der Barhocker schob, nickte er mir lediglich zu. Ich griff mir eine Karte und überflog sie flüchtig. „Gin Tonic, bitte“, entschied ich schließlich. Wieder nur ein Nicken. Ich vertraute dem Mann, dass er mir meinen Drink schon zubereiten würde und sah mich noch ein wenig um.
Das McLeon’s Castle war eine eigenartige Mischung aus Irish Pub und moderner Cocktailbar. An der einen Wand standen leere Whisky-Flaschen aneinandergereiht auf einem langen Regal, darunter war mit Reisnägeln eine große Karte der britischen Inseln an der Holzvertäfelung befestigt. Ein Großteil der gegenüberliegenden Wand wurde von einem riesigen Spiegel bedeckt. Nur an den Rändern sah man die Hochglanz-Tapete mit schwarz-weißem, geometrischen Muster. Auch das Mobiliar war wild zusammengewürfelt: kein Stuhl war wie der andere und kein Tisch schien dort zu stehen, wo er hingehörte. Aber in der Uni hatte ich gehört, wie zwei andere Studenten darüber schwärmten, dass es hier die besten Drinks zum kleinsten Preis gäbe.
Wie aufs Stichwort stellte der Barkeeper das hohe Glas mit der klaren Flüssigkeit vor mir ab. Eine einzelne Zitronenscheibe über den Rand, ein grüner Strohhalm und jede Menge Eiswürfel, mehr gab es nicht zu sehen. Diesmal war ich es, die dem Barkeeper nur zunickte. Ich trank langsam, lauschte den Rocktönen aus den versteckten Lautsprechern oder den Gesprächen in meinem Rücken, während sich die Bar nach und nach füllte. Mein Glas war so gut wie leer, als sich jemand auf den Hocker neben mir setzte. Mein erster Eindruck: dunkle Sneaker, schwarze Jeans, dunkelblaues Hemd. Ich wandte mich dem Neu-Ankömmling zu. Er hatte einen Arm auf die Theke gestützt und grinste mich an.
„Was macht ein hübsches Mädchen wie du alleine an der Theke?“, fragte er. Kreativ war anders. Egal.
„Auf Gesellschaft warten.“
„Jemand bestimmtes?“
„Jemand, der mir gefällt?“ Ein freches Grinsen stahl sich auch in meine Stimme.
„Und, wie lautet das Urteil?“ Der junge Mann breitete noch immer grinsend die Arme aus und ließ zu, dass ich ihn ungeniert musterte. Er war über 1,80 groß, sportlich gebaut, wie ich jetzt erkannte waren sowohl Jeans als auch Hemd von bekannten Markenherstellern. Die dunklen Haare hingen ihm wirr auf dem Kopf und über die Ohren. Nicht die Art von wirr, für die andere eine halbe Stunde lang im Bad standen, sondern die Art von wirr, die sagte: Mir ist scheiß egal, wie meine Haare aussehen – ich bin schon heiß genug. Arrogant, aber mit Recht, wie ich feststellte. Seine grauen Augen blickten aufgeweckt, volle Lippen, breites Kinn und hohe Wangenknochen. Wenn sich unter dem teuren Hemd noch ein Six Pack verbarg, würde es mich nicht wundern, ihn auf dem Cover von GQ oder auf einem Werbeplakat für Calvin Klein zu sehen.
„Ich kenne dich nicht“, sagte ich, wandte den Blick etwas widerwillig ab und trank mein Glas aus.
„Dann lerne mich kennen. Ich bin Nick.“ Er streckte mir altmodisch die Hand entgegen und ich nahm sie.
„Rosie“, stellte ich mich vor. Das war gelogen, schien mir aber gut zu Nick zu passen.
„Freut mich. Noch einen?“ Er wies mit dem Kinn auf mein leeres Glas und ich nickte. Er winkte dem Barkeeper. „Noch so einen für die Dame und einen Whisky für mich. Singleton, 16 Jahre, bitte.“ Uh, der war nicht zu billig. Und ungewöhnlich süß.
„Du kennst dich aus“, sagte ich anerkennend.
„Ich bin nicht zum ersten Mal hier“, erwiderte Nick.
„Ich schon“, gab ich zu und ließ ihn in dem Glauben, dass ich deshalb keine Ahnung von Whisky hätte.
„Wenn du magst, kannst du nachher gerne mal probieren. Ich bin sicher, er schmeckt dir.“ Darum würde ich mich nicht zwei Mal bitten lassen. Ich war hergekommen um meine Gedanken und Gefühle zu ertränken – in Alkohol und einem Mann, wenn möglich. Wie es schien, sollte mein Wunsch in Erfüllung gehen.
Lächelnd nickte ich Nick zu.

Nein, mir ist immer noch kein neuer Rubrik-Titel eingefallen. Aber ich arbeite daran! Bis dahin: viel Spaß! In der Bar herrschte nur schummriges Licht. Im Halbdunkeln saßen erst wenige Gäste, es war noch zu früh für den großen Ansturm. Vor der Tür hatte ich draußen zwei der Kellnerinnen gesehen, wie sie in Ruhe eine Zigarette … Gin zum Vorspiel weiterlesen

Die Stadt ohne Tageslicht

Es ist Freitag! Und das heißt für mich: Zeit eine neue (oder alte) Geschichte zu posten. Seit ich nicht mehr nur alte Texte poste, kann ich die Kategorie schlecht FlashbackFreitag nennen – deswegen bin ich noch auf der Suche nach einem neuen Namen. Storytime? Neh, das ist langweilig. So lange ich weiter grüble, wünsche ich euch viel Spaß mit der heutigen Geschichte!


Da war es wieder, dieses Gefühl. Das Prickeln im Nacken, als würden tausend Nadeln in ihre Haut fahren. Ihr sechster Sinn, dem sie mehr vertraute als allen anderen zusammen – dem sie ihr Leben anvertraute.
Obwohl sich ihr Herzschlag beschleunigte und ihr sagte, sie solle davonrennen, verlangsamte Kenna ihre Schritte und blieb vor dem nächsten Marktstand stehen. Vor ihr lagen Kisten voller Obst – rote Äpfel, Erdbeeren, Pflaumen, Trauben, sogar ein paar Orangen entdeckte sie. Bei dem bunten Anblick knurrte ihre Magen, doch Kenna ignorierte es. Hinter der Auslage stand eine dicke Frau, fast zwei Köpfe größer als Kenna, mit fleckiger Schürze und einer lauten, rauen Stimme. Gerade verkaufte sie einer Magd ein paar Reben mit schweren Trauben. Einer Sklavin, korrigierte sich Kenna in Gedanken, als sie das Glöckchen an der Fußkette der Frau klingeln hörte.
„Kann ich dir helfen, Mädchen?“, fragte die Händlerin jetzt. Kenna schenkte ihr ihr freundlichstes Lächeln, auch wenn ihr Puls noch immer raste und das Kribbeln in ihrem Nacken sich langsam in ihrem ganzen Rücken ausbreitete. Sie kommen näher.
„Nein danke. Ich sehe mich nur um.“
„Dann scher dich weg und mach Platz für zahlende Kunden!“, fauchte die Frau und Kenna gehorchte, bevor sie noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie ging weiter, aber das bedrohliche Kribbeln ließ sich nicht abschütteln. Sie musste wissen, wer sie verfolgte, aber sich einfach umzusehen wagte sie auch nicht.
Vor einem Bettler am Rand des Marktes blieb sie erneut stehen. Alles in ihr zog sich bei der Geste schmerzhaft zusammen, doch sie fischte einen der gerade erst gestohlenen Taler aus ihrer Tasche, bückte sich und legte sie dem Alten in die offene Handfläche. Als sie sich wieder aufrichtete, warf sie vorsichtig einen Blick durch ihre Haare nach hinten. Zwei Männer beobachteten sie misstrauisch. Die roten Schärpen über ihren Schultern wiesen sie als Mitglieder der Stadtwache aus. Kenna musste länger auf dem Markt gewesen sein, als sie gedacht hatte, wenn selbst diesen unterbelichteten Schlägern auffiel, dass sie nichts kaufte. Sie sollte sich besser schleunigst aus dem Staub machen.
So unauffällig wie möglich verließ Kenna den Markt. Sie ging langsam durch die engen Straßen von Burgzabern, in denen Sonnenlicht rar war, so sehr neigten sich die Häuser auf beiden Seiten des Weges aufeinander zu. Um so weiter sie sich vom Markt entfernte, umso weniger Menschen begegnete sie, doch das Kribbeln verschwand nicht und die schweren Stiefel der Dorfwachen folgten ihr über das kaputte Pflaster.
Flink bog Kenna um ein paar letzte Ecken, versicherte sich, dass die Dorfwachen sie für den Moment aus den Augen verloren hatten und schlüpfte durch eine kaputte Stalltür in den hinteren Teil einer alten Schmiede. Das Gebäude stand schon seit Jahren leer, von ein paar Taugenichtsen abgesehen, die hier regelmäßig Obdach suchten, bis die Dorfwachen sie wieder hinaus prügelten. Doch das war vorne und in den oberen Stockwerken. In den Stall verirrte sich nie jemand. Außer Kenna.
Im Halbdunkel tastete sie sich an der Wand entlang zu der Pferdebox, in der ihre anderen Sachen unter einem Haufen Heu lagen. An der Rückwand war einer der Backsteine lose. Kenna zog ihn heraus und fischte nach dem alten Lederbeutel, den sie dort deponiert hatte. Sie ließ einen Großteil des Geldes, das sie heute geklaut hatte, hineinfallen und versteckte ihn wieder. Nur ein paar wenige Eisentaler behielt sie. Und die goldene Taschenuhr, die sie dem Schreiber abgeknöpft hatte. Sie würde sie für gutes Geld an den alten Murphy verkaufen können. Dann schlüpfte sie aus ihrem Kleid, band sich die Brust ab und schlüpfte in Hose, Hemd und Stiefel, die bereit lagen. Ihre langen dunklen Locken flocht sie zu zwei schnellen Zöpfen, ehe sie sie sich auf dem Kopf feststeckte und unter einer verblichenen grünen Kappe verschwinden ließ. Auf dem Markt war sie als Mädchen unauffälliger, doch dort wo sie jetzt hinging, im Untergrund, war sie als Junge besser dran.
Sie versteckte ihr Kleid unter dem Heu und schlich sich wieder aus dem Stall. Hinter der nächsten Ecke standen noch immer die beiden Dorfwachen und suchten vergeblich nach ihr. Unbehelligt ging sie an ihnen vorbei, tippte zum Gruß sogar an ihre Mütze. Doch erst als ihr einige Straßen weiter der Geruch des schmutzigen Flusses in die Nase stieg, verschwand das Kribbeln in ihrem Nacken fürs erste. Leise lächelnd ging sie die alten Steinstufen hinunter ans Ufer und betrat den Tunnel, der in die Stadt unter der Stadt führte. Die Stadt ohne Tageslicht, in die sich niemand verirrte, der nicht irgendwelche krummen Geschäfte plante. Die Stadt der Gauner, Betrüger, Diebe und Mörder. Hier fühlte Kenna sich Zuhause.

Es ist Freitag! Und das heißt für mich: Zeit eine neue (oder alte) Geschichte zu posten. Seit ich nicht mehr nur alte Texte poste, kann ich die Kategorie schlecht FlashbackFreitag nennen - deswegen bin ich noch auf der Suche nach einem neuen Namen. Storytime? Neh, das ist langweilig. So lange ich weiter grüble, wünsche ich … Die Stadt ohne Tageslicht weiterlesen

Sag ja, sag nein

 

 

In diesem Moment
der endlos scheint
Sag ja, sag nein
Nimm mir mein Herz
Oder schenk mir deins.
Sonst drohe ich zu ertrinken
in der Möglichkeit
die nicht mehr meine ist.

Aus dem Strand, über den wir liefen
wurde Treibsand, der uns verschluckt.
Und der Fluss, der uns trug
Stürzt jetzt hinab.

Ein Wasserfall.
Wie passend, romantisch.
Ist es das, was wir brauchen?
Oder tut es auch jeder andere Ort?

Was wirst du tun?
Sag ja, sag nein.
Aber tu was.
Denn ich bin es leid.

 

 

 

 

    In diesem Moment der endlos scheint Sag ja, sag nein Nimm mir mein Herz Oder schenk mir deins. Sonst drohe ich zu ertrinken in der Möglichkeit die nicht mehr meine ist. Aus dem Strand, über den wir liefen wurde Treibsand, der uns verschluckt. Und der Fluss, der uns trug Stürzt jetzt hinab. Ein … Sag ja, sag nein weiterlesen

Gegen die Regeln

Hallo ihr Lieben!

Diese Woche will ich gar nicht so viel quatschen. Es gibt heute wieder eine eher neuere Geschichte für euch. Allerdings weiß ich noch nicht so ganz, was ich davon halten soll – deswegen dachte ich, ich frag einfach mal euch 😀

Also: viel Spaß!


Langsam lösten sich ihre Lippen wieder von meinen. Ich spürte ihr Herz an meiner Brust schlagen, als sie die Stirn gegen meine lehnte. Ein Lächeln huschte über unser beider Gesichter noch bevor sie sich wieder herunterbeugte und ein zweiter, süßer Kuss auf den ersten, leidenschaftlichen, folgte. Wie immer. Es war eine dieser Angewohnheiten, für die ich sie jedes Mal noch mehr liebte. Dann lehnte sie sich zurück in die Kissen und blickte hinauf an die Decke über meinem Bett.
„Es ist lange her, dass wir so Zeit miteinander verbracht haben“, sagte sie dann.
„Wie? Knutschend im Bett?“, fragte ich sie grinsend. Ich schaute sie an, sog ihr Profil in mich auf. Die gerade Nase, das spitze Kinn, die kleinen Ohren, die zwischen den kurzen schwarzen Haaren hervorschauten, das kleine Tattoo an ihrem Hals, dass sie sich in Thailand hatte stechen lassen. Damals, als sie noch mit ihrem ersten Freund zusammen war. Immer öfter ertappte ich mich in letzter Zeit dabei. Immer aus Angst, dass es das letzte Mal sein könnte, dass ich sie so sah.
Mit erhobenen Augenbrauen erwiderte sie endlich meinen Blick, zuckte mit den Schultern. „Ich habe einen schlechten Einfluss auf dich“, stellte sie nur fest. Damit hatte ich nun nicht gerechnet.
„Wieso?“
„’Knutschend im Bett‘? Mit einem anderen Mädchen? Und das nicht zum ersten Mal? Das ist sicher nicht das, was deine Eltern dir beigebracht haben. Geschweige denn, dass man darüber sprechen dürfte.“ Ich lachte. Damit hatte sie Recht. Wenn meine Eltern jemals von uns erfuhren, wäre ich vermutlich schneller mit dem Sohn von Papas Geschäftspartner verlobt als ich „Van Behrens Immobilien – wir finden, was sie suchen!“ sagen könnte.
Mein Handy vibrierte neben mir auf dem Nachttisch. Ich überlegte es zu ignorieren, doch es könnte Papa sein, der früher nach Hause kam. Widerstrebend drehte ich mich von Toni weg und blickte auf das Display – es war nur meine Mutter, die wissen wollte, ob wir unseren Mutter-Tochter-Wellness-Tag verschieben könnten. Ich verdrehte die Augen und ließ die Nachricht erst mal unbeantwortet.
Schon spürte ich Tonis Hand wieder auf meiner Hüfte. Ihre Lippen berührten kurz meinen Nacken. Sie legte ihr Kinn auf meine Schulter und fragte vorsichtig: „Ist es wichtig?“
„Nein“, antwortete ich und drehte mich wieder zu ihr um. Fast automatisch verschränkten sich meine Finger mit ihren. Sie lag nur wenige Zentimeter neben mir auf dem Kopfkissen, lächelte mich an und kümmerte sich nicht um die freche Haarsträhne, die ihr vor dem Gesicht baumelte.
„Was ich vorher eigentlich sagen wollte“, begann sie schließlich. „Ist, dass es mir gefehlt hat einfach nur Zeit mit dir zu verbringen. Ohne Pläne zu schmieden. Sondern nur wir beide.“ Ich nickte, wollte mich gerade zu ihr lehnen um sie zu küssen, als ich innehielt. Es hatte einen guten Grund, warum wir dazu in letzter Zeit nicht gekommen waren. Mein Lächeln verschwand, ich wandte den Blick ab und löste meine Hand von ihrer. Stattdessen war es jetzt ich, die an die Decke sah.
„Aber wir sollten Pläne schmieden. Eine Lösung finden. Bevor es zu spät ist.“ Ich spürte die Tränen, die mir in die Augen stiegen, bevor sie dort waren.
„Hey.“ Toni stützte sich auf den Ellbogen, zwang mich sie anzusehen. „Das wird schon wieder.“
„Das wird schon wieder?“ Ein kurzes hysterisches Lachen entfuhr mir. „Fucking Märchenfiguren haben meinen Bruder entführt. Wie genau sollen wir das wieder gerade biegen?“ Tonis Daumen wischte die erste Träne von meiner Wange.
„Elfen, keine Märchenfiguren“, korrigierte sie mich. Ich schaffte es die Augen zu verdrehen, doch meine Tränen versiegten nicht. Toni wartete, bis ich mich wieder halbwegs gefangen hatte. „Wir finden einen Weg. Ich verspreche es dir, okay?“, sagte sie dann. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und nickte. „Danke.“
„Immer gerne“, antwortete sie lächelnd und küsste den letzten Tropfen von meiner Wange. Dann hielt sie inne. „Habe ich dir eigentlich schon gesagt, wie gut mir dein Outfit heute gefällt?“ Ich lachte über den Themenwechsel.
„Nein, aber es sind ja auch deine Klamotten“, sagte ich.
„Stimmt.“ Grinsend zupfte sie an dem türkisenen Top, das ich seit dem Morgen trug. Auf einmal wurde mir bewusst, dass der kurze schwarze Rock, den sie mir geliehen hatte, ziemlich weit hoch gerutscht war. „Du solltest sie mir noch zurückgeben.“
„Jetzt gleich?“, fragte ich zurück. Mein Puls raste, auch wenn es nicht unser erstes Mal wäre.
„Wieso nicht?“ Wieder beugte sie sich zu mir nach unten, ihre Lippen legten sich an die empfindliche Stelle unter meinem Ohr, die sie viel zu gut kannte.
Ich ließ zu, dass sie mich noch für ein, zwei weitere Stunden von meinem Leben ablenkte. Und genoss jede einzelne Sekunde davon.

Hallo ihr Lieben! Diese Woche will ich gar nicht so viel quatschen. Es gibt heute wieder eine eher neuere Geschichte für euch. Allerdings weiß ich noch nicht so ganz, was ich davon halten soll - deswegen dachte ich, ich frag einfach mal euch 😀 Also: viel Spaß! Langsam lösten sich ihre Lippen wieder von meinen. … Gegen die Regeln weiterlesen

Wenn die Sonne scheint

Wie angedeutet, gibt es heute mal keine alte Geschichte von mir, sondern eine Szene, die ich erst vor ein paar Wochen geschrieben habe. Ich hatte erst überlegt noch einen Ausschnitt aus meinem ersten Romanversuch in der siebten Klasse zu posten, habe mich jetzt aber erst mal dagegen entschieden.

Viel Spaß!


Langsam wachte ich auf. Die Sonne schien durch die Vorhänge, die sich vor den offenen Fenstern im Wind ballten. Das Bett neben mir war leer, aber als ich den Kopf ein wenig wandte, entdeckte ich Jake am Fußende des Bettes vor dem Kleiderschrank. Er hatte mir den Rücken zugewandt und trug nur ein Handtuch um die Hüften. Das Morgenlicht zeichnete seinen sehnigen Körper nach und betonte seine Muskeln. Wie so oft bewunderte ich das kunstvolle Tattoo an seinem Rücken. Wenn er sich bewegte, dann schien es manchmal, als würden die Vögel tatsächlich über seine Schultern davon fliegen. Sein braunes Haar war noch vollkommen durcheinander, aber nass – er musste schon geduscht haben.
Ein Lächeln stahl sich auf mein Gesicht, als ich ihn dabei beobachtete, wie er nach Klamotten kramte, schließlich das Handtuch ablegte und in seine Boxershorts schlüpfte. Ich biss mir auf die Lippe, doch schlussendlich hielt ich es nicht länger aus.
„Guten Morgen“, sagte ich. Sofort fuhr Jake herum, ein wenig erschrocken vielleicht, doch dann lächelte auch er.
„Guten Morgen“, antwortete er. „Hast du mich etwa beobachtet?“
„Vielleicht.“ Ich schielte hinüber zum Wecker – gerade mal halb sieben – und dann zurück zu Jake. Er war ein Stück näher gekommen und stand jetzt neben dem Bett. Ich blickte zu ihm hoch und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Er zog seine gepiercte Augenbraue nach oben.
„Das macht man aber nicht“, sagte er dann, bevor er sich mit dem Knie auf dem Bett abstützte und mir einen schnellen Guten-Morgen-Kuss gab. Ich vergrub meine Finger in seinem Haar und hielt ihn fest. „Aber wahrscheinlich konntest du den Blick nur einfach nicht von mir lösen, oder?“ Er war mir immer noch so nah, dass ich sein Grinsen an meinen Lippen spüren konnte.
„Sei nicht ganz so arrogant, ja?“, bat ich, bevor ich ihn wieder küsste. Seine Zunge schob sich zwischen meine Lippen und bevor ich es so richtig wahrnahm, lag er bereits über mir und seine Hand fuhr unter das Shirt, in dem ich geschlafen hatte. Doch ich löste mich von ihm.
„Musst du nicht eigentlich gleich los?“, fragte ich.
„Nein. Das kann warten.“
„Gut“, brachte ich noch hervor, bevor er seine Lippen wieder auf meine presste. Meine Hand drückte gegen seine Schulter und ich richtete mich langsam auf, ohne, dass wir uns voneinander gelöst hätten. Jake folgte meinen Bewegungen perfekt und schließlich ließ er sich ergeben neben mir auf den Rücken sinken. Grinsend setzte ich mich auf ihn und sofort spürte ich wieder seine Hände an meiner Hüfte. Ich zog mir das T-Shirt über den Kopf und legte dann meinen Mund wieder auf seinen. Seine Finger fuhren über meine nackte Haut, zeichneten die Konturen nach, die er doch eigentlich schon so gut kennen müsste. Doch er überließ mir die Führung. Ich ließ meine Küsse an seinen Hals wandern und dann seinen Körper hinab und wieder hinauf. „Wie viel Zeit hast du?“, flüsterte ich ihm zu, bevor ich vorsichtig in sein Ohrläppchen biss. Ich spürte, wie sich sein Griff um mich daraufhin sofort ein wenig verstärkte.
„Pressekonferenzen kann man verschieben“, sagte er fast gleichzeitig. Und dieses Mal war es mir egal, dass eigentlich ich die Vernünftige in dieser Beziehung sein sollte. Sollte sein Manager ihm doch die Mailbox vollquatschen.

Wie angedeutet, gibt es heute mal keine alte Geschichte von mir, sondern eine Szene, die ich erst vor ein paar Wochen geschrieben habe. Ich hatte erst überlegt noch einen Ausschnitt aus meinem ersten Romanversuch in der siebten Klasse zu posten, habe mich jetzt aber erst mal dagegen entschieden. Viel Spaß! Langsam wachte ich auf. Die … Wenn die Sonne scheint weiterlesen

Spring ein zweites Mal [FlashbackFreitag]

Mir gehen doch tatsächlich die wirklich „älteren“ Geschichten aus für diese Beitragsreihe aus! Deswegen habe ich jetzt zwei Möglichkeiten: ich habe noch eine Menge „Gedichte“, die ich hier posten könnte, unter dem Hashtag  [Poesieoderso] vielleicht, aber eigentlich will ich das nicht. Denn viele davon sind doch ziemlich persönlich oder auch einfach nur schrecklich kitschig und einfach nicht so, dass sie hier her passen würden. Oder Möglichkeit Zwei: Jede Woche eine neue Kurzgeschichte / Szene / was auch immer zu posten. Und ich denke, darauf wird es wohl auch hinaus laufen. Ich hoffe ihr seid damit einverstanden 😀

Die Szene für diese Woche ist auch erst so zwei Jahre alt. Und ehrlich gesagt habe ich lange gezögert, sie hier zu veröffentlichen, denn sie ist mittlerweile der Ausgangspunkt für eine viel größere Geschichte geworden – die wahrscheinlich auch mein nächstes Projekt sein wird. Aber was soll’s – es ist immerhin eine Geschichte, mit der ich immer noch ziemlich zufrieden bin.

Deswegen jetzt also: Viel Spaß!


Das Türklingeln riss mich aus dem Schlaf, in den ich gerade erst gesunken war. Der Projektor lief noch, aber als ich zum Fenster ging, schaltete ich ihn aus. Im Hof standen keine Militärfahrzeuge, keine Sonder-Einsatz-Kommandos bezogen Stellung – ein gutes Zeichen. Trotzdem führte mich mein nächster Weg zum Bücherregal, zum Zahlenschloss, um unanständige, kontroverse, revolutionäre Werke zu verstecken. Es waren längst nicht mehr die selben wie früher, diese hier waren geschwärzt und gekürzt. Sie erzählten eine Wahrheit, deren Kern zensiert worden war. Ich schloss die Tür zum Schlafzimmer, zum Bad, blieb dann kurz vor dem Spiegel im Flur stehen und strich meine Bluse glatt. Dann erst ging ich zur Tür.
Längst hatte es ein zweites Mal geklingelt, der Ton hallte noch schrill in meinem Kopf nach. Trotzdem nahm ich mir die Zeit durch den Spion zu sehen. Zunächst fiel mein Blick auf die gegenüberliegende Wand, auf das kleine rote Licht, das mir sagte, dass die Kamera alles aufzeichnete. Dann erst sah ich den jungen Mann an, der auf der anderen Seite der hellen Tür wartete. Sein Blick war auf den Spion gerichtet, es wirkte, als sähe er mich direkt an. Seit über anderthalb Jahren hatte ich nicht mehr in diese sturmblauen Augen geblickt. Ich wusste, dass ich die Tür besser nicht öffnen sollte, aber ich konnte nicht anders. Meine Hand zitterte, als ich nacheinander alle Schlösser öffnete.

„Du solltest nicht hier sein“, sagte ich, ehe mein Ex-Freund auch nur den Mund öffnen konnte. Ich blickte wieder zu der Kamera. Das rote Licht schrie mich an, sagte mir, dass es keine zehn Minuten gehen würde, bis die Polizei doch hier war.
„Ich weiß, aber wir müssen reden“, antwortete Kyle. „Kann ich rein kommen?“
„Nein. Du hast nicht mal die Kamera verdeckt. Sie werden gleich hier sein.“
„Das war keine Bitte.“ Mit diesen Worten drängte er mich zur Seite, betrat meine Wohnung und schloss ohne zu fragen die Tür. Ich wehrte mich nicht, ich wagte es nicht.
„Was willst du?“, fuhr ich ihn an.
„Reden.“
„Worüber?“
„Unsere Tochter.“ Das saß. Ich konnte ihn nicht ansehen, konnte nicht antworten. Ging einfach ins Wohnzimmer ans Fenster und blickte hinaus in die Nacht.

„Wie hast du davon erfahren?“, fragte ich doch irgendwann. Ich wusste, dass er mir ins Zimmer gefolgt war, spürte ihn dicht hinter mir, wusste aber auch, dass er weit genug vom Fenster entfernt war, als dass man ihn von draußen hätte sehen können. Manche Gewohnheiten legte man nicht ab. Er blieb still und ich wusste, dass das viel gefährlicher war, als wenn er schreien und toben würde. Ich wünschte mir, er würde mich anschreien.
„Spielt das eine Rolle?“, antwortete er schließlich. „Warum hast du es mir nicht erzählt?“
„Wie hätte ich denn sollen?“, fragte ich und drehte mich um. „Du lebst irgendwo im Untergrund und planst eine Revolution und ich werde rund um die Uhr bewacht. Ich konnte mir ja nicht ein Mal sicher sein, dass du überhaupt noch lebst.“ Er streckte die Hand aus, winkte mich zu sich, zurück in den Schatten. Ich blieb vor ihm stehen, berührte ihn aber nicht. Die Distanz zwischen uns war weitaus größer als die 30 Zentimeter, die uns tatsächlich voneinander trennten.
„Du hättest es mir sagen können, als du schwanger warst.“
„Ich wusste es doch nicht, bis sie mich auf ihren Operationstisch gelegt haben.“
„Was haben sie mit dir gemacht?“
„Nichts. Die Schwangerschaft hat sie abgehalten. Und als Sadie geboren war, hatten sie ein Druckmittel gegen mich. Erpressbar bin ich für sie wertvoller als willenlos oder tot.“
„Erpress -“ Jetzt erst schien Kyle zu begreifen, was ich gerade gesagt hatte. „Wo ist sie? Was haben sie ihr angetan? Ich schwöre dir, wenn sie ihr auch nur ein Haar gekrümmt haben, dann…“
„Sie ist in einem Heim am anderen Ende der Stadt“, fiel ich ihm ins Wort. „Ich kann sie ein Mal alle zwei Wochen besuchen. Sie haben ihr nichts getan, zumindest bis jetzt. Aber als du hier aufgetaucht bist, hast du vermutlich ihr Todesurteil unterschrieben.“ Kyle sagte nichts, wusste vermutlich nicht, was er hätte sagen können. Ich begann zu zittern, als mir selbst klar wurde, was ich da gerade gesagt hatte. Tränen stiegen mir in die Augen und meine Sicht verschwamm. Als die Welt sich um mich herum zu drehen begann, musste Kyle mich auffangen. Er führte mich zum Sofa, ließ mich aber sofort wieder los, nachdem er mich abgesetzt hatte. Ein schmerzhaften Schluchzen stieg in mir auf, bei dem sich mein gesamtes Innerstes eng zusammenzog. Kyle wartete. Es gab nichts, was er hätte tun können.

„Du hättest nicht kommen dürfen“, brachte ich schließlich hervor.
„Du hast Recht, aber woher hätte ich das vorher wissen sollen?“, fragte er noch immer ruhig, aber ich sah die Angst in seinen Augen, sah sie darin, wie er den rechten Mundwinkel nach unten zog und sich nervös die Haare raufte.
„Wie du es hättest wissen sollen? Hast du gedacht, ich lasse mich freiwillig einsperren? Lasse mir freiwillig vorschreiben, was ich zu essen habe und wie ich mich kleiden soll? Dachtest du, es gefällt mir, ständig beobachtet und verhört zu werden?“ Ich sah ihn an, wartete auf eine Reaktion, die nicht kam. „Hast du wirklich alles vergessen, was wir erlebt haben?“
„Nein. Ich schätze, ich habe überhaupt nicht nachgedacht.“ Wir schwiegen für einen Moment und ich fragte mich, wo die Truppen blieben.
„Wenn sie dich erst mal geschnappt haben, dann haben sie keine Verwendung mehr für mich und noch weniger für Sadie. Sie werden erst die Kleine umbringen und dann mich, vor deinen Augen, einfach, um dich leiden zu sehen. Dann werden sie dich foltern, bis du ihnen alles erzählst, was sie hören wollen. Du wirst alle verraten. Dann erst werden sie dich endgültig hinrichten.“ Ich machte eine Pause, versuchte den Kloß in meinem Hals herunterzuschlucken. „Es ist vorbei. Wir haben verloren.“
„Dann dürfen sie mich eben nicht schnappen.“
Ich lachte ihn aus, konnte gar nicht anders. „Kyle, das ist unmöglich. Sie werden jede Minute hier sein.“
„Gibt es keinen zweiten Ausgang?“, fragte er und ich schüttelte den Kopf.
„Das hier ist mein persönliches Gefängnis. Wenn sie es nicht wollen, dann gibt es hier nicht mal einen einzigen Ausgang.“
„Was ist mit den Fenstern?“
„Die lassen sich nicht öffnen und das Panzerglas zerbricht auch nicht. Und bevor du fragst: es gibt hier weder einen Keller noch einen Kamin.“
„Ich kann nicht einfach aufgeben!“, rief Kyle. Zum ersten Mal seit er hier war, wurde er ein wenig laut. Erst jetzt kam der Rebell in ihm zum Vorschein. Der Teil von ihm, der gefürchtet oder bewundert wurde, der Teil von ihm, der uns überhaupt erst in diesen Schlamassel gebracht hatte. Der Teil von ihm, in den ich mich einst verknallt hatte, ehe ich auch den Rest zu lieben lernte. „Nicht ohne meine Tochter wenigstens ein Mal gesehen, ein Mal im Arm gehalten zu haben.“ Ich sah ihn an und fand in seinem Blick den selben zerbrochenen Ausdruck wie damals, als seine Schwester in seinen Armen gestorben war. Wahrscheinlich gab das den Ausschlag, ich weiß es nicht.

„Vielleicht gibt es einen Weg.“
„Welchen? Ich tue alles.“ Ich wollte es ihm erklären, als draußen für einen winzigen Moment lang Scheinwerferlicht zu sehen war. Es wurde fast sofort ausgeschalten, aber wir hatten es gesehen. So etwas übersah man nicht, wenn man nur lang genug davor geflohen war. Ich sprang auf und rannte zum Fenster. Auf den ersten Blick schien alles wie zuvor, aber ich konnte sie sehen, die dunklen Gestalten, die durch die Schatten schlichen.
„Sie sind hier“, sagte ich tonlos. Ich drehte mich wieder zu ihm um und sah ihn erneut an. Ich beschloss, dass wir es versuchen mussten. Taten wir es nicht, waren wir sowieso tot. „Komm“, wies ich ihn an, bevor ich ihn an der Hand die Treppe hinauf bis aufs Dach zog. Mit den Sternen über unseren Köpfen hätte es romantisch sein können, wäre im Hof nicht gerade der erste Panter vorgefahren. „Vertraust du mir?“, fragte ich.
„Immer“, antwortete Kyle. Ich zeigte mit meiner freien Hand in nordwestlicher Richtung über das Dach.
„Dann renn und spring“, sagte ich.
„Nicht ohne dich.“ Kyle sah mich an und verschränkte die Finger mit meinen. Ich nickte und wir liefen los. Gerade als wir den Rand des Daches erreichten, peitschen die ersten Schüsse durch die Luft. Wir sprangen zwischen die Kugeln, mitten in die Dunkelheit hinein.


 

Mir gehen doch tatsächlich die wirklich "älteren" Geschichten aus für diese Beitragsreihe aus! Deswegen habe ich jetzt zwei Möglichkeiten: ich habe noch eine Menge "Gedichte", die ich hier posten könnte, unter dem Hashtag  [Poesieoderso] vielleicht, aber eigentlich will ich das nicht. Denn viele davon sind doch ziemlich persönlich oder auch einfach nur schrecklich kitschig und … Spring ein zweites Mal [FlashbackFreitag] weiterlesen

Geistermädchen [FlashbackFreitag]

Ach ja… Mit der Geschichte diese Woche bin ich eigentlich gar nicht mehr so wirklich zufrieden. Denn irgendwie sehe ich es mittlerweile gar nicht mehr als Geschichte – sondern eher als Notizen zu einer Idee, die noch eine ganze Menge offenes Potential hat. Aber ich dachte mir, dass ich sie diese Woche trotzdem mit euch teilen möchte. Deswegen jetzt also… Viel Spaß!


Es fing an als ich noch ein Kind war. Mit vier oder fünf Jahren. Ich bekam Bauchschmerzen, so stark, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Es passierte immer wieder und meine Eltern schleppten mich von Arzt zu Arzt. Doch niemand konnte etwas finden.
Als ich sieben war kam die Trauer. Wenn ich abends allein in meinem Bett lag, musste ich plötzlich weinen. Ich war traurig und verzweifelt, als wäre jemand gestorben, den ich sehr geliebt hatte. Doch es war nie etwas derartiges vorgefallen. Ich wurde älter und lernte, es nicht zu erwähnen – sonst schickte meine Mutter mich zum Psychiater. Also schwieg ich.
Mit neun kamen die Schmerzen im Handgelenk, als wäre es gebrochen. Zeitgleich kam auch das Brennen in meiner Schulter und an meiner Hüfte, wie von einer Schnittwunde. Es war das selbe wie mit den Bauchschmerzen: kein Arzt konnte etwas finden.
Sobald ich elf war, kam der Liebeskummer. Ich fühlte mich, als wäre ich verlassen worden und enttäuscht – ich war verletzt obwohl alle die mir wichtig waren zu mir hielten.

All das passierte immer wieder. In unregelmäßigen Abständen und in unbestimmter Reihenfolge. Ich lernte damit umzugehen und es niemals zu erwähnen. Zu groß war die Scham, wenn andere Kinder zu mir sagten ich sei verflucht. Ich schwieg, verschloss mich gegenüber allem, das von außen auf mich einwirken konnte. Nur gegen das, was in mir drin lauerte, fand ich kein Mittel.
An meinem dreizehnten Geburtstag hatte ich schließlich mein erstes Flashback. Ich wollte gerade die Kerzen auf dem Kuchen ausblasen, auf den meine Mutter jedes Jahr bestand, als es passierte. Die Ränder meines Blickfeldes verschwammen, alles um mich herum fing an sich zu drehen. Ich wurde in einen Strudel gezogen und für einen kurzen Moment war alles schwarz.
Als ich wieder klar sehen konnte, stellte ich fest, dass ich in einem Bett lag, doch es war nicht mein Bett. Ich sah mich in dem Zimmer um, das ich nicht kannte. Ich trug ein Kleid, das nicht meines war. Und in einem der fünf anderen Betten im Zimmer lag ein Mädchen, dass ich noch nie gesehen hatte. Dann wurde wieder alles schwarz und ich war zurück an meinem Esstisch, zwischen meinen Eltern. Vor mir stand mein Kuchen. Die Kerzen brannten noch. Niemand schien bemerkt zu haben, dass ich für ein paar Sekunden abwesend gewesen war. Ich verlor kein Wort darüber.
Seitdem kamen die Flashbacks immer wieder. Umso älter ich wurde, desto häufiger kamen sie. Es passierte zu den ungünstigsten Zeitpunkten. Während Klassenarbeiten, beim Schlittschuhlaufen, bei meinem ersten und einzigen Schulball. Das erste Mal, war jetzt genau drei Jahre her.
Heute war mein sechzehnter Geburtstag. Der Tag, an dem ich dem Geheimnis um meine zweite Persönlichkeit endlich näher zu kommen begann.


 

Ach ja... Mit der Geschichte diese Woche bin ich eigentlich gar nicht mehr so wirklich zufrieden. Denn irgendwie sehe ich es mittlerweile gar nicht mehr als Geschichte - sondern eher als Notizen zu einer Idee, die noch eine ganze Menge offenes Potential hat. Aber ich dachte mir, dass ich sie diese Woche trotzdem mit euch … Geistermädchen [FlashbackFreitag] weiterlesen