Bube, Dame, König, Tod

Des Teufels Gebetbuch

von Markus Heitz

Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel unvorhergesehener und mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mir der Karte auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Plötzlich steigt der Einsatz: Es ist um nicht weniger als sein eigenes Leben. (Klappentext)

Ich persönlich war „Des Teufels Gebetbuch“ verfallen, schon lange bevor es Anfang März erschienen ist. Bei einer Lesung im Dezember hat Markus Heitz es vorgestellt und schon da wusste ich, dass ich es unbedingt haben wollte. Mit dem Wissen, dass mir Markus Heitz‘ Schreibstil gefiel, als Buchliebhaberin und Kind einer absoluten Zockerfamilie kam für mich gar nichts anderes in Frage. Und das Buch hat mich nicht enttäuscht.

Die Geschichte folgt Tadeus Boch und seiner unverhofften Mitstreiterin Hyun Poe, die ihren Verlobten bei einer Partie des tödlichen Spiels Supérieur um die im Klappentext erwähnte verfluchte Karte verloren hat. Aber auch Passagen, die sich auf ihre Gegner konzentrieren, tauchen immer wieder auf, genau wie Einschübe, die von der Entstehung der Karten erzählen. Und wenn ich ehrlich bin, dann haben mir die letzteren Beiden immer besser gefallen als die eigentliche Geschichte um Boch.

Vermutlich ist es vom Autor so gewollt, doch schon nach den ersten 20 Seiten konnte ich Boch nicht mehr ausstehen. Und das sollte bis zum Ende der Geschichte so bleiben. Ich habe trotzdem weiter gelesen, denn ich wollte wissen, wen das verfluchte Kartenspiel noch das Leben kosten wird – und wer der Drahtzieher hinter all den Morden ist.

Meine Lieblingsfigur war eine alte Dame, Madame Darlan, eine berühmte Restauratorin, die sich um die alten Karten kümmert und ihnen neues Leben einhaucht. Schon kurz nachdem man sie als Leser kennenlernt, darf man sie bei der brutalen Ermordung Unschuldiger beobachten. Ich habe sie sofort geliebt. Was das über meine Psyche aussagt, will ich lieber gar nicht wissen und schiebe es lieber auch das auf die Vermutung, dass Markus Heitz ganz bewusst Einfluss auf den Leser nimmt um seine Sympathie für Madame Darlan zu wecken. Denn die alte Dame hält mehr als nur eine Überraschung für den Leser bereit und hat mehr als nur einen Trumpf auf der Hand.

Beim Lesen musste ich hin und wieder schwer schlucken. Ich bin einiges gewöhnt und als ich das Buch zur Hand nahm, wusste ich auch was mich erwartet, denn ich kann mich noch gut an einige Szenen aus „Aera – Die Rückkehr der Götter“ (auch von Markus Heitz und GROSSARTIG!) erinnern und doch war ich hin und wieder von der Brutalität und der detailreichen, blutigen Schilderung von Morden, Leichen und abgerissenen Gliedmaßen überrascht. Man kommt darüber hinweg, aber vergessen, wie hoch der Preis für einen Fehler im Spiel um des Teufels Gebetbuch ist, kann man nicht mehr.

„Des Teufels Gebetbuch“ ist keine leichte Lektüre für einen Nachmittag. Die Charaktere konnten mich nicht fesseln – die Geschichte dafür umso mehr. Manchmal verspürte ich gar das Bedürfnis, vor Spannung den Atem anzuhalten während meine Augen über die Zeilen flogen. Das lag aber vielleicht auch daran, dass ich die ganze Zeit hoffte Boch würde endlich vom Glück verlassen und verrecken. Naja.

Im Nachhinein kann ich auf keinen Fall sagen, dass ich es bereuen würde, es bei der ersten Gelegenheit gekauft und in den letzten Tagen verschlungen zu haben. Dazu war es viel zu gut. Das einzige Problem ist jetzt nur, dass ich unheimlich Lust habe eine Runde Supérieur zu spielen – die nicht tödliche Variante versteht sich. Mal sehen, wo ich Mitspieler auftreiben kann.


Knaur HC  ·  Klappenbroschur, 672 Seiten  ·  16,99 €
·  Des Teufels Gebetbuch  ·
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