Frankreich-Reihe: Cover und Klappentexte

Hallihallo und willkommen zum zweiten Beitrag meiner Frankreich-Reihe! Heute wollen wir uns mit den Covern und Klappentexten der Bücher beschäftigen, die ich für meine Bachelorarbeit gelesen habe. Wenn ihr nicht mehr wisst, worum es geht, dann könnt ihr hier noch mal die Einleitung zur Reihe lesen.

Noch mal zur Erinnerung die Bücher, die ich gelesen habe:

Die Fabelmacht-Chroniken – Flammende Zeichen von Kathrin Lange, Gold und Schatten von Kira Licht, Asche und Phönix von Kai Meyer, Das Herz der Lilie von Sandra Regnier, Léon und Claire – Er trat aus den Schatten von Ulrike Schweikert, Flüsternde Schatten von Peter Schwindt und Die Prophezeiung der Seraphim von Mascha Vassena.


Cover

„Don’t judge a book by its cover“ – guter Lebenstipp, ein Ratschlag, den man befolgen sollte – vor allem, wenn es um Menschen geht. Aber bei Büchern tun wir es oft doch, das „judgen“. Das Cover ist in der Regel das erste, das wir von einem Buch sehen. Wenn das Cover nicht unsere Aufmerksamkeit erregt, werden wir das Buch nie in die Hand nehmen, uns nie näher mit dem Inhalt beschäftigen. Das beweisen auch die Ergebnisse einer Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels: für 59% der Befragten sind der Titel (und damit das Cover) eines Buches wichtig oder gar sehr wichtig für ihre Kaufentscheidung. Deshalb spielt es eine so große Rolle und hat natürlich auch mein Interesse geweckt, als es darum ging zu sehen, wie Frankreich in – und in diesem Fall auf – Büchern dargestellt wird.

Bei den betrachteten Werken spielt Frankreich tatsächlich nur bei drei Büchern schon auf dem Cover eine Rolle: bei Léon und Claire, den Fabelmacht-Chroniken, und bei Das Herz der Lilie.

Beim Herz der Lilie ist die Anspielung auf Frankreich am unscheinbarsten. Die „Lilie“, die dem Werk auch seinen Titel gibt, wird zwar als Abbildung einer tatsächlichen Blüte aufgenommen, aber besonders interessant sind die kleineren Abbildungen der stilisierten Fleur-de-Lys. Als Symbol der französischen Monarchie weist sie sowohl auf den Handlungsort, als auch auf eine grobe Handlungszeit hin. Weil das aber nicht jeder potenzieller Leser interpretieren kann bzw. erkennen wird, lässt sich vermuten, dass die Fleur-de-Lys sehr viel eher eine direkte Verbildlichung des Textes sind und weniger als Verkaufsargument dienen.

Bei den Fabelmacht-Chroniken und bei Léon und Claire sieht das schon ganz anders aus: auf beiden Covern finden sich Darstellungen berühmter Pariser Gebäude.
Bei Léon und Claire sticht der Titel, durch den Kontrast von Weiß auf Schwarz und die zusätzliche Umrandung durch den goldenen Kreis besonders hervor. Teil dieses Kreises sind die Silhouetten dreier Pariser Gebäude: des Arc de Triomphe, des Eiffelturms und eines dritten, das schwerer zu identifizieren ist. Am ehesten ähnelt seine Form noch der Académie Française, es ist jedoch möglich, dass es lediglich repräsentativ steht für die vielen Pariser Sehenswürdigkeiten, die eine Kuppel aufweisen, wie der Invalidendom, das Pantheon oder die Kirche Sacré Coeur. Sicher ist, dass der Handlungsort Paris klar definiert wird und dem Titel des Buches – und damit der Geschichte allgemein – einen Rahmen gibt.

Interessant zu sehen ist außerdem, dass sich der Kreis auch auf den Buchrücken zieht, wo noch einmal kleinere Darstellungen des Eiffelturms und des Kuppelgebäudes auf Paris hinweisen, die auch zu sehen sind, wenn das Buch im Regal steht.

Trotz der sehr viel helleren Farbgestaltung ähnelt das Cover der Fabelmacht-Chroniken diesem Schema ziemlich. Auch hier steht in der Mitte der Titel, hervorgehoben durch dekorative Kringel, die auf den unteren Rand des Bildes zeigen. Dort steht der Untertitel des Buches und darunter finden sich dann die schematischen Darstellungen verschiedener Pariser Sehenswürdigkeiten. In diesem Fall sind es: der Eiffelturm, die Opéra Garnier, Sacré Coeur, Notre Dame und der Arc de Triomphe. Dass sie am unteren Rand stehen, rückt sie zwar einerseits nicht in den Fokus des Covers, macht sie aber gleichzeitig zur Basis der Darstellung – Paris ist die Grundlage, auf der die Geschichte aufbaut.

Klappentexte

Hat ein Cover die Aufmerksamkeit eines Lesers geweckt, wird er sich als nächstes dem oder den Klappentexten zuwenden, um sich einen besseren Eindruck der Geschichte zu machen und sich gegebenenfalls für einen Kauf zu entscheiden. War Frankreich nur bei einem Teil der untersuchten Werke in irgendeiner Form auf dem Cover abgebildet, wird es in den Klappentexten stets an prominenter Stelle erwähnt: meist gleich im ersten Satz als Handlungsort oder gar als Überschrift. Zwei Ausnahmen bilden Flüsternde Schatten und Asche und Phönix, bei denen Frankreich bzw. Paris erst in der zweiten Hälfte des jeweiligen Klappentextes Erwähnung finden.

Bei allen der untersuchten Klappentexte ist fraglich, ob der Handlungsort Frankreich deshalb darin vorkommt, weil er die Leser vom Kauf überzeugen soll, oder ob es nicht vielmehr der Konvention folgt, in der eine Zusammenfassung der Handlung – und nichts anderes ist ein Klappentext in kurzer Form – auch den Handlungsort enthalten muss.

Wieder gibt es zwei Ausnahmen: Gold und Schatten und erneut Léon und Claire. Bei diesen beiden Büchern wird Paris als Überschrift des Klappenextes verwendet. Bei Léon und Claire in ganz kurzer Form als „Paris.“, was jedoch im Klappentext auf der Innenseite des Buchumschlags ausgeführt wird zu „Paris hat eine dunkle Seite“. Bei Gold und Schatten lautet die Überschrift „Paris, die Stadt der … Götter!“ In beiden Fällen spielen die Autoren mit der Erwartungshaltung des Lesers: Paris, bekannt als Stadt der Liebe und als Stadt der Lichter wird zur Stadt der Götter mit einer dunklen Seite. Diese Umkehrung weckt Interesse und wird dadurch weit mehr zum Verkaufsargument als die bloße Nennung eines Handlungsortes. Möglich ist sie nur, weil der Leser ein gewisses Vorwissen über Paris mitbringt und daher eine bestimmte Erwartungshaltung entwickeln kann.

Schlussendlich muss man aber sagen, dass es nicht nur die Ziele und Funktionen sind, die die Gestaltung eines Buchumschlages bestimmen, sondern dass ein wichtiger Aspekt auch der ästhetische Anspruch ist: Ein Cover muss schön sein. Das wirft jedoch wiederum die Frage auf, ob schön zu sein nicht auch einfach nur ein weiterer Punkt ist, der den Leser zum Kauf anregen soll. Auf jeden Fall also etwas, über das man nachdenken muss.


So, für heute war’s das schon wieder von mir. Ich hoffe ihr habt durch meine Ausführungen die Cover mal ein bisschen genauer, mal aus einem anderen Blickwinkel gesehen. Vielleicht habt ihr ja ein paar Bücher im Regal, die ihr jetzt anders betrachten werdet oder ihr denkt beim nächsten Besuch in der Buchhandlung noch mal drüber nach.

Ich freue mich auf jeden Fall, wenn ihr nächste Woche wieder vorbeischaut und wir uns mit der Frage beschäftigen: Warum spielen die gewählten Bücher überhaupt in Frankreich? Warum in Paris und wenn nicht in Paris, wo sonst? Was bedeutet das? Und dann: Welche Motive ziehen sich durch alle hindurch?

Bis dahin, alles Liebe,

Maike

2 Gedanken zu “Frankreich-Reihe: Cover und Klappentexte

  1. Da ich mich noch nie mit französicher Literatur befasst habe, war es für mich ein sehr interessanter und informativer Beitrag. Das die Lilie das Symbol der französischen Monarchie darstellt, wusste ich beispielsweise nicht. Danke dafür!

    Liebe Grüße

    Nadine

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