Klatschgeschichten [Freitagsfliegen]

Aus dem Osten kroch die Nacht immer näher und der Himmel färbte sich in tiefem Blau. Nicht mehr lange und die ersten Sterne würden glitzern, während im Westen die Sonne noch über die Baumwipfel streichelte und weiße Wolken über den rosanen Horizont zogen. Direkt vor mir loderte unser Lagerfeuer und dahinter rauschten die Wellen gegen das steinige Ufer des Sees.

Ich spürte wie Tommy sich wieder neben mich fallen ließ. Er reichte mir ein Bier und ich lächelte ihm dankbar zu. Seine Sonnenbrille steckte noch in seinem langen, blonden Haar, dessen Spitzen nach wie vor leicht feucht waren. Seine blauen Augen leuchteten, als er mein Lächeln erwiderte. Mit dem Drei-Tage-Bart und der gebräunten Haut sah er in diesem Moment genau so aus wie der Sunny Surfer Boy, als den sein Management ihn darstellte. Er legte den Arm um meine Hüfte und ich lehnte mich gegen ihn. Wieder einmal wurde mir klar, wie glücklich ich mich schätzen konnte, dass aus all den abertausenden Mädchen, die er hätte haben können, ich die Eine war, die er an sich zog.

„Hört auf so verliebt zu sein, wir sind auch noch da!“, rief Alex uns von hinten zu, als er mit einem Stapel Feuerholz auf dem Arm zu uns zurück kam. Ich löste den Blick von Tommy und sah zu ihm hin.

„Ach, halt die Klappe, Stormhold. Du bist doch nur eifersüchtig“, antwortete Tommy mit hochgezogener Augenbraue.

„Na klar, wenn du dir auch das hübscheste Mädchen schnappst“, entgegnete sein bester Freund seit dem Kindergarten noch immer scherzend, während er neben mir das Holz ablegte. Bevor er sich jedoch wieder aufrichtete, drückte er mir einen schnellen Kuss auf die Wange und brachte mich damit zum Lachen.

„Das ist immer noch meine Freundin“, murmelte Tommy und als ich mich ihm zuwandte, küsste er mich richtig.

„Uäh“, kam es jetzt auch von Maxwell, dem Bassisten der Band, der auf Tommys anderer Seite saß.
„Lasst die Zwei in Ruhe“, mischte sich Christie ein, die die Salate brachte. „Nur weil ihr zu blöd seid ein Mädel zu finden.“
„Autsch.“ Maxwell fasste sich theatralisch ans Herz. „Und das von meiner Ex.“
„Sag bloß du bist immer noch nicht drüber hinweg. Um Himmels Willen, Maxi – wir waren fünfzehn.“
„Hey! Ich war immerhin schon sechzehn“, verteidigte sich Maxwell, doch Christie verdrehte nur die Augen.

„Mach dir nichts draus“, sagte sie dann zu mir. „Man gewöhnt sich irgendwann an ihr kindisches Geplänkel.“ Die Vier spielten seit der Mittelstufe in einer Band und ziemlich bald nach dem Abi kam ihr großer Durchbruch. Hitsingel, Gold fürs Album, dann Platin, Welttournée. Mittlerweile arbeiteten sie an den letzten Songs für Platte Nummer Drei. Und auch wenn die Band in all dieser Zeit nicht nur viele Hochs, sondern auch Tiefs hatte, waren sie immer beste Freunde geblieben.

„Keine Sorge, das bin ich von meinen Brüdern schon gewohnt“, antwortete ich Christie endlich.
„Na dann.“ Sie ließ sich neben mich fallen und trank einen Schluck aus ihrer Flasche, bevor sie mir den Arm um die Schultern legte. „Weißt du, es tut wirklich gut nicht mehr das einzige Mädchen zu sein. Jetzt müssen diese Trunkenbolde sich endlich mal benehmen.“ Bevor ich etwas erwidern konnte, sprach sie schon weiter. „Ich hätte nur nicht gedacht, dass er ausgerechnet Tommy ist, bei dem sich was Ernstes entwickelt – bei seiner Vorgeschichte!“

„Chrissy!“, rief Tommy aus und starrte sie wütend an. Sie interessierte das allerdings überhaupt nicht und steckte sich wie gewohnt in aller Seelenruhe eine Kippe an.

„Schon okay“, ging ich dazwischen ehe ein richtiger Streit ausbrechen konnte. „Du bist schließlch nicht gerade ein verschlossenes Buch – immerhin kann man deine ganze Vergangenheit in den Klatschblättern des Internets nachlesen.“ Tommy schien es für den Augenblick die Sprache verschlagen zu haben, denn er starrte mich nur mit großen Augen an. „Wie war das noch mal vor zwei Jahren? Mit Vanessa Martens nackt am Strand von Long Island von Paparazzi erwischt worden? Oder war es Coney Island?“ Maxwell brach in schallendes Gelächter aus, als Tommy knallrot anlief. „Aber das ist okay“, rettete ich ihn aus der Misere. „Solange ich hier neben dir sitze.“

„Immer“, brachte er heraus. Ich lächelte.

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