Wicked Lovely – Eine Liebeserklärung

Ich weiß, ich weiß. Ich hatte ab heute wieder ganz gewöhnliche Rezensionen versprochen. Aber als ich letzten Mittwoch den Beitrag zu meinen 5 liebsten Antagonisten geschrieben habe, ist mir aufgefallen, dass es erst noch etwas anderes gibt, das ich mir unbedingt mal von der Seele schreiben muss: meine Liebe zu Melissa Marr und ihrer „Gegen das Sommerlicht“-Reihe (Und weil mir der Titel zu lang ist, benutze ich ganz gern den englischen: Wicked Lovely. Ja, ich weiß, ich bin faul.)

Immer wieder stelle ich erschrocken fest, wie wenige Menschen diese fünf Bücher gelesen haben – und mit meiner absoluten Faszination davon fühle ich mich sowieso meistens ganz allein. Was mich nicht davon abhält, meinen Freunden (oder jedem anderen, der gerade das Pech hat in der Nähe zu sein) stundenlang von Niall, Irial, Ani, dem Gabriel und Seth vorzuschwärmen. Okay, vor allem von Irial. An dieser Stelle muss ich mich mal offiziell bei dir Anna-Lena, und dir, Amelie, für die vielen Stunden entschuldigen, denen ihr meinen schon 1000-mal gehörten Erzählungen lauschen musstet. Und ja, trotzdem wird dieser Beitrag genau das noch einmal sein. Wenn ihr Beide also hier aufhört zu lesen, kann ich das voll verstehen.

An alle Anderen: Bloß nicht weggehen! Bitte.


Fangen wir von Vorne an: von was rede ich hier überhaupt?

Die Wicked Lovely-Reihe erzählt in fünf Bänden die Geschichte der vier (fünf) Elfenhöfe, von denen drei in die Menschenwelt umgezogen sind. Es gibt den Hof des Lichts, der Dunkelheit, des Winters und des Sommers. Im ersten Band konzentrieren wir uns auf den Sommer- und den Winterhof.

Der Sommerkönig, Keenan, ist der Sohn der Winterkönigin Beira. Er wurde „verflucht“ nicht seine ganze Macht zu haben, bis er seine wahre Königin gefunden hat – nach der er seit tausenden Jahren sucht.

Ashlyn ist in der Angst vor Elfen aufgewachsen. Denn im Gegensatz zu allen anderen, können sie (ihre verstorbene Mum und ihre Grandma) die Elfen sehen. Und sie dabei beobachten, wie sie jeden Tag furchtbare Sachen tun – Menschen foltern, verrückt werden lassen, töten, vergewaltigen – sucht euch was aus. Und die Elfen dürfen bloß niemals erfahren, dass Ash sie sehen kann – sonst ist sie bald selbst eine Zielscheibe. Aber das wird sie sowieso – als Keenan sie auswählt.

Handlungsmäßig will ich hier nicht mehr verraten, sonst nehme ich zu viel vorne weg. Im zweiten Band der Reihe, erfahren wir mehr über den Hof der Dunkelheit, im dritten mehr über den des Lichts. Über den vierten (ach Devlin, was tust du nur?) will ich hier erst mal gar nichts sagen und im fünften Teil kommt es zu dem – wie sollte es anders sein – großen Kampf.

Ja, ich liebe irische Mythen und Legenden, und die Art und Weise, wie Melissa Marr diese mit unserer modernen Welt verbindet, macht definitiv einen großen Teil meiner Faszination mit dieser Reihe aus. Aber was noch viel wichtiger ist, sind die Figuren.

Die Figuren, von denen jede einzelne eine Backstory hat, die man erst mit der Zeit entdecken kann. Figuren, jede einzelne mit vielen Schwächen und Stärken, die sich gegenseitig so gut ausbalancieren. Die so viel Charakter haben, dass sie mir derart real vorkommen, dass ich mich oft weigere zu glauben, sie seien bloße Fantasie. Und vor allem Figuren, die in all den Kämpfen, dem Verrat, der Gefahr, dem Blut, noch zu so tiefen Gefühlen in der Lage sind, wie ich sie noch nirgendwo anders gefunden habe.

Ja, wir haben die Standard Mensch – Auserwählte – Elfenkönig-Dreiecksgeschichte. Aber so, dass sie mich nicht einmal genervt hat (okay, ein bisschen vielleicht, aber das lag nur an Keenan!) – und normalerweise hasse ich Dreiecksgeschichten. Von Herzen. Ich hab nie verstanden, warum sie plötzlich überall aufgetaucht sind. Mädel, entscheid dich doch einfach mal!
Wir haben aber auch Beziehungen, die langsam und sanft entstehen. Wir haben Hass, Hassliebe, Gier, Leidenschaft, Schmerz. Wir haben die Liebe zwischen Ash und ihrer Grams, zwischen Brüdern und besten Freunden. Familie. Die Liebe von Elfen zu ihren Königen, von Hunden zu ihrem Gabriel, von  – Okay, jetzt kommt ihr wahrscheinlich nicht mehr mit, wenn ihr die Reihe nicht gelesen habt. Also zurück zu Irial (wohin auch sonst.)
Und wir haben jene Liebesgeschichten, die lange vor dem ersten Band begannen, die, die wir wohl nie ganz kennen werden, nie ganz verstehen werden und die doch so viel tiefer gehen als alles andere. Eine Liebe, die in tausenden Jahren gewachsen ist (trotz eines Tiefs von mehreren hundert Jahren), die so schön ist, dass allein der Gedanke daran mir Tränen in die Augen treibt – ich meine das absolut ernst. Lacht so viel ihr wollt.
Das erstaunliche dabei: die Liebe ist maximal eine Nebenhandlung der fünf Bücher. Wenn überhaupt.

Das ist es, was Melissa Marrs Werk so großartig macht: die Details am Rande, denen man beim ersten Lesen kaum Beachtung schenkt, weil man zu fokussiert ist auf die Storyline an sich ist, und von denen man erst im Nachhinein begreift, wie wichtig sie tatsächlich sind.

Melissa Marr erzählt keine lineare Geschichte. Sie erzählt keine Geschichte von gut und böse. Bei ihr gibt es kein Schwarz und Weiß, nur eine Grauzone. Und so wurden manche Charaktere, die ich in anderen Büchern lieben würde zu denen, denen ich den Tod gewunschen habe und die, die doch eigentlich die „Bösen“ sind, die Grausamen, die Gestalten aus unseren Alpträumen, zu jenen, die mich am meisten begeistern konnten.

Nur einen Minuspunkt kann ich an dieser Reihe, an dieser wundervollen Welt finden: ich glaube nicht, dass man alles versteht, wenn man „nur“ die fünf Bücher liest. Ich habe auch Kurzgeschichten rund um Keenan, Irial, Seth und Donia verschlungen, habe in die Desert Tales (Ableger) hineingelesen (das Buch brauche ich unbedingt noch, fällt mir dabei auf) und bin trotzdem sicher, dass es immer noch so viel zu entdecken gäbe. So viele Geschichten, die noch darauf warten erzählt zu werden.

Alle bewundern J.K. Rowling für die fantastisch ausgearbeitete Welt von Harry Potter – ich auch – und das zu Recht. Doch Melissa Marr hat meiner Meinung nach eine ebenso detaillierte Welt geschaffen und Huntsdale ist mein Hogwarts geworden.

Jetzt bin ich schon bei 1000 Wörtern und habe noch nicht einmal angefangen von all dem zu reden, was mich diese Bücher gelehrt haben: wie wichtig Freundschaft und Vertrauen sind, wie leicht sie zerbrechen können, was es bedeutet zu herrschen, verantwortlich zu sein, schwere Entscheidungen zu treffen, für seine Überzeugungen einzustehen und was es bedeutet zu lieben, mit ganzem Herzen, ohne Wenn und Aber. Und das es romantische Liebe nicht nur zwischen Mann und Frau gibt, sondern in ganz vielen Formen.

Mehr will ich auch gar nicht dazu sagen, nur eines: Danke. Danke für all das und so viel mehr, dass diese Bücher mir gegeben haben und den Einfluss, den sie auf mein Leben hatten. Ich bin nicht sicher, ob das bei jedem Leser so wäre, wage es gar zu bezweifeln. Diese Bücher sind sicher nicht perfekt – aber für mich sind sie es. Und jedes Mal, wenn ich eines davon aus dem Schrank nehme, erinnert es mich daran, warum ich eigentlich selber schreibe.

Denn zwischen 100 Überarbeitungen und Selbstzweifeln, dem Druck von außen („Wenn du schon mit dem Schreiben deine Zeit vergeudest, dann verdien doch wenigstens Geld damit“), vergesse ich manchmal, dass es eben nicht um das Verkaufen geht, sondern um das Schaffen von Welten, Figuren, Geschichten. Und wenn ich irgendwann mit meinen Worten Gefühle wecken kann, die auch nur halb so stark sind wie die in der Wicked Lovely-Reihe, dann habe ich alles erreicht, was ich mir je hätte erträumen können.

Danke.


Mehr Infos zu Melissa Marr auf ihrer Website: www.melissamarrbooks.com


PS: LEST DIESE BÜCHER! (Und wenn ihr dann Bedürfnis habt über Irial zu reden, bitte, BITTE schreibt mich an!)

PPS: Entschuldigt den vermutlich sehr verwirrenden Beitrag. Ich habe ihn in keinster Weise im Vorhinein geplant, sondern einfach runtergeschrieben, was mir gerade in den Sinn kam. Ich hoffe wenigstens ein Teil davon ergibt Sinn.

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