Gegen die Regeln

Hallo ihr Lieben!

Diese Woche will ich gar nicht so viel quatschen. Es gibt heute wieder eine eher neuere Geschichte für euch. Allerdings weiß ich noch nicht so ganz, was ich davon halten soll – deswegen dachte ich, ich frag einfach mal euch 😀

Also: viel Spaß!


Langsam lösten sich ihre Lippen wieder von meinen. Ich spürte ihr Herz an meiner Brust schlagen, als sie die Stirn gegen meine lehnte. Ein Lächeln huschte über unser beider Gesichter noch bevor sie sich wieder herunterbeugte und ein zweiter, süßer Kuss auf den ersten, leidenschaftlichen, folgte. Wie immer. Es war eine dieser Angewohnheiten, für die ich sie jedes Mal noch mehr liebte. Dann lehnte sie sich zurück in die Kissen und blickte hinauf an die Decke über meinem Bett.
„Es ist lange her, dass wir so Zeit miteinander verbracht haben“, sagte sie dann.
„Wie? Knutschend im Bett?“, fragte ich sie grinsend. Ich schaute sie an, sog ihr Profil in mich auf. Die gerade Nase, das spitze Kinn, die kleinen Ohren, die zwischen den kurzen schwarzen Haaren hervorschauten, das kleine Tattoo an ihrem Hals, dass sie sich in Thailand hatte stechen lassen. Damals, als sie noch mit ihrem ersten Freund zusammen war. Immer öfter ertappte ich mich in letzter Zeit dabei. Immer aus Angst, dass es das letzte Mal sein könnte, dass ich sie so sah.
Mit erhobenen Augenbrauen erwiderte sie endlich meinen Blick, zuckte mit den Schultern. „Ich habe einen schlechten Einfluss auf dich“, stellte sie nur fest. Damit hatte ich nun nicht gerechnet.
„Wieso?“
„’Knutschend im Bett‘? Mit einem anderen Mädchen? Und das nicht zum ersten Mal? Das ist sicher nicht das, was deine Eltern dir beigebracht haben. Geschweige denn, dass man darüber sprechen dürfte.“ Ich lachte. Damit hatte sie Recht. Wenn meine Eltern jemals von uns erfuhren, wäre ich vermutlich schneller mit dem Sohn von Papas Geschäftspartner verlobt als ich „Van Behrens Immobilien – wir finden, was sie suchen!“ sagen könnte.
Mein Handy vibrierte neben mir auf dem Nachttisch. Ich überlegte es zu ignorieren, doch es könnte Papa sein, der früher nach Hause kam. Widerstrebend drehte ich mich von Toni weg und blickte auf das Display – es war nur meine Mutter, die wissen wollte, ob wir unseren Mutter-Tochter-Wellness-Tag verschieben könnten. Ich verdrehte die Augen und ließ die Nachricht erst mal unbeantwortet.
Schon spürte ich Tonis Hand wieder auf meiner Hüfte. Ihre Lippen berührten kurz meinen Nacken. Sie legte ihr Kinn auf meine Schulter und fragte vorsichtig: „Ist es wichtig?“
„Nein“, antwortete ich und drehte mich wieder zu ihr um. Fast automatisch verschränkten sich meine Finger mit ihren. Sie lag nur wenige Zentimeter neben mir auf dem Kopfkissen, lächelte mich an und kümmerte sich nicht um die freche Haarsträhne, die ihr vor dem Gesicht baumelte.
„Was ich vorher eigentlich sagen wollte“, begann sie schließlich. „Ist, dass es mir gefehlt hat einfach nur Zeit mit dir zu verbringen. Ohne Pläne zu schmieden. Sondern nur wir beide.“ Ich nickte, wollte mich gerade zu ihr lehnen um sie zu küssen, als ich innehielt. Es hatte einen guten Grund, warum wir dazu in letzter Zeit nicht gekommen waren. Mein Lächeln verschwand, ich wandte den Blick ab und löste meine Hand von ihrer. Stattdessen war es jetzt ich, die an die Decke sah.
„Aber wir sollten Pläne schmieden. Eine Lösung finden. Bevor es zu spät ist.“ Ich spürte die Tränen, die mir in die Augen stiegen, bevor sie dort waren.
„Hey.“ Toni stützte sich auf den Ellbogen, zwang mich sie anzusehen. „Das wird schon wieder.“
„Das wird schon wieder?“ Ein kurzes hysterisches Lachen entfuhr mir. „Fucking Märchenfiguren haben meinen Bruder entführt. Wie genau sollen wir das wieder gerade biegen?“ Tonis Daumen wischte die erste Träne von meiner Wange.
„Elfen, keine Märchenfiguren“, korrigierte sie mich. Ich schaffte es die Augen zu verdrehen, doch meine Tränen versiegten nicht. Toni wartete, bis ich mich wieder halbwegs gefangen hatte. „Wir finden einen Weg. Ich verspreche es dir, okay?“, sagte sie dann. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter und nickte. „Danke.“
„Immer gerne“, antwortete sie lächelnd und küsste den letzten Tropfen von meiner Wange. Dann hielt sie inne. „Habe ich dir eigentlich schon gesagt, wie gut mir dein Outfit heute gefällt?“ Ich lachte über den Themenwechsel.
„Nein, aber es sind ja auch deine Klamotten“, sagte ich.
„Stimmt.“ Grinsend zupfte sie an dem türkisenen Top, das ich seit dem Morgen trug. Auf einmal wurde mir bewusst, dass der kurze schwarze Rock, den sie mir geliehen hatte, ziemlich weit hoch gerutscht war. „Du solltest sie mir noch zurückgeben.“
„Jetzt gleich?“, fragte ich zurück. Mein Puls raste, auch wenn es nicht unser erstes Mal wäre.
„Wieso nicht?“ Wieder beugte sie sich zu mir nach unten, ihre Lippen legten sich an die empfindliche Stelle unter meinem Ohr, die sie viel zu gut kannte.
Ich ließ zu, dass sie mich noch für ein, zwei weitere Stunden von meinem Leben ablenkte. Und genoss jede einzelne Sekunde davon.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s