Die drei Geschichten, die jedes Buch braucht [merlinliest]

Oder auch: Warum ich klassische Bücher einem E-Book immer vorziehen würde.


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Die Geschichte, die auf seinen Seiten geschrieben steht.

Das ist wohl die offensichtlichste. Denn fast immer (Sachbücher vielleicht ausgenommen) liest man ein Buch, um eine Geschichte erzählt zu bekommen. Das mag mal eine Liebesgeschichte sein, mal ein spannender Kriminalfilm, mal der pure Horror, mal ein witziges Kinderbuch und mal ein gewaltiger Epos, aber es ist immer eine Geschichte. Und dem einen mag diese besser gefallen und dem Anderen eine andere, das ist vollkommen in Ordnung, doch es sind und bleiben Geschichten. Und selbst wenn zwei Menschen das selbe Buch gut gefällt, dann haben sie am Ende doch oft eine unterschiedliche Geschichte im Kopf und das ist das Schöne an Büchern: dass sie uns eine Geschichte geben, es aber unserer Vorstellungskraft überlassen, sie sich zu eigen zu machen.*

2Die Geschichte, die wir mit dem Buch verbinden.

Da ist das Buch, das wir von unserer besten Freundin zum 16. Geburtstag bekommen haben. Das war ein toller Tag! Wir haben nur ganz klein gefeiert, zu viert und einen Film geschaut. Danach waren wir alle (naja, fast) in Jack Frost verliebt und…
Und da ist das Buch, dass ich am Tag von meiner Fahrprüfung dabei hatte um meine Nerven zu beruhigen. Es hat auf jeden Fall geholfen, auch wenn ich am Ende doch fast durchgefallen wäre. Es war nämlich so…
Oh, und das ist das Buch, das mein Erdkunde-Lehrer mir in der achten Klasse mal empfohlen hat (obwohl es definitiv nicht an eine so junge Altersklasse gerichtet ist, wie ich festgestellt habe). Er hat immer ganz viele Süßigkeiten für uns parat gehabt und einmal waren wir alle bei ihm grillen. Er hat noch eine DVD von einem Schulfest, bei dem eine Klasse Lehrerparodien aufgeführt hat. Wir haben uns echt kringelig gelacht…
Naja, ihr wisst, was ich meine, oder?

3Die Geschichte, die wir auf seinen Seiten verewigt haben.

Das ist die einzige, die ein E-Book nicht auch erzählen kann. Denn ein E-Book ist immer gleich. Ein richtiges Buch aber kann unsere Erlebnisse speichern. Und wenn ich heute das Buch aufschlage, dass ich vor fünf Jahren an einem Strand in Italien gelesen habe, und mir fällt noch immer ein wenig Sand entgegen, dann ist das eine Geschichte, die dieses Buch erzählt. Und der Kaffeefleck auf Seite 137, der da ist, obwohl ich gar keinen Kaffee trinke. Und das Eselsohr auf Seite 412, weil ich keine Post-Its zur Hand hatte, als ich das Buch heimlich im Unterricht gelesen habe, die Stelle mich aber so berührt hat. Und natürlich die Widmung von meinem Lieblingsautor, die mich jedes Mal zum Lächeln bringt, egal wie oft ich sie sehe.
Ich weiß, einige dieser Punkte sind kontrovers. Viele mögen es, wenn ihre Bücher perfekt aussehen und ich gebe zu, auch ich gebe mir in der Regel die größte Mühe, dass sie eben keine Leserillen, Eselsohren oder Kaffeeflecken bekommen. Aber wenn doch, dann kann ich kaum böse sein. Denn für mich verstärkt das meist nur die Magie, die einem Buch sowieso schon innewohnt.


  • Mir fällt gerade auf, das könnte man auch schon als zwei Geschichten werten: die Geschichte, die tatsächlich da steht und die, die sich in unserem Kopf abspielt. Aber wenn das bei jedem Leser anders ist, wie ich ja oben behaupte (und wie es wohl auch jeder von uns schon erlebt hat), wo würde man da hinkommen? Dann gäbe es ja tausende und abertausende Geschichten, die ein Buch erzählen kann – was definitiv so ist. Da dieser Blogpost in dem Fall aber unendlich lang wäre, möchten wir das hier mal außer Acht lassen.
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