Vier Farben der Magie – V.E. Schwab

Es gibt vier London: eines, in dem die Magie voller Leben pulsiert. Eines, in dem sie mit Gewalt beherrscht wird. Eines, in dem sie vergessen wurde. Und eines, in dem sie alles zerstört hat.
Kell ist einer der letzten Antari, einer der letzten Blutmagier und damit einer der wenigen, der noch in der Lage ist zwischen den Welten zu reisen. Als Bote überbringt er die Nachrichten der verschiedenen Königshäuser – und arbeitet nebenbei heimlich als Schmuggler. Bis ihm eines Tages ein machtvolles Artefakt aus dem toten, schwarzen London zugesteckt wird und eine Hetzjagd durch die Welten beginnt…

Grau für die Stadt ohne Magie.
Rot für das glänzende Reich.
Weiß für die sterbende Welt.

Seite 15

An Victoria Schwabs aktuellem Fantasy-Roman war ja auf den Buchblogs und auf Bookstagram eine Zeit lang kein Vorbeikommen. Mal ganz abgesehen davon, dass mir das Cover mega gut gefällt – in seiner Schlichtheit, Farbgestaltung und vor allem die dezente Karte von London im Hintergrund des Titels, einfach, wie es das Buch so schön zusammenfasst ohne irgendetwas preiszugeben – und der Klappentext mich begeistern konnte, hat das natürlich meine Aufmerksamkeit erregt. Und so durfte das Buch bei mir einziehen und wurde auch prompt gelesen.

Das Setting hat mir mega gut gefallen. Spätestens seit ich vor … puh… sieben (?) Jahren „Das Wunder von Narnia“ gelesen habe, liebe ich die Vorstellung von verschiedenen Welten nebeneinander. Die Art, wie sich in „Vier Farben der Magie“ die vier London überschneiden und unterscheiden, war wirklich spannend und schön gestaltet. Jeder der Städte wurden bestimmte Attribute – nicht nur die Farben, sondern zum Beispiel auch Gerüche und Geräusche, aber auch bestimme Charaktereigenschaften der Bewohner – zugeordnet, die sich immer und immer wieder fanden, so dass es nicht schwer fiel sich in den Welten zu orientieren. Überhaupt waren die Handlungsorte gerade detailliert genug beschrieben, um sie sich vorstellen zu können, aber Schwab verliert sich nicht in so ausufernden Beschreibungen, dass es langweilig werden könnte.

Manche behaupteten, die Magie habe ihren Ursprung im Geist, andere wiederum ordneten sie der Seele zu, dem Herzen oder der Willenskraft.
Kell aber wusste, dass sie dem Blut innewohnte.

Seite 48

Ja, Kell und das Blut. Zwei weitere wichtige Faktoren für die Handlung. Denn blutig ist sie, immer wieder. Und wenn es nur hier und da ein paar Schnitte sind – irgendetwas scheint immer zu bluten. Und dann ist da Kell, unser Protagonist. Ich weiß gar nicht, was ich großartig zu ihm sagen soll, denn für mich war er nicht mal annähernd die interessanteste Figur im Buch. Er ist lebendig, ich habe mit ihm mitgefiebert und alles, keine Frage, wollte, dass er überlebt. Aber um so mehr ich darüber nachdenke, umso klischeehafter kommt mir sein Charakter vor: er ist der Junge ohne Eltern oder Vergangenheit, der auf den ersten Blick Privilegierte, der doch nur im goldenen Käfig sitzt oder glaubt zu sitzen und Illegales tut, um sich ein Stück seiner Freiheit zu bewahren. Das ist alles nichts neues.

Kell legte den Kopf in den Nacken, wodurch ihm das Haar aus dem Gesicht fiel und neben seinem linken eisblauen Auge auch das rechte zum Vorschein kam. Es […] wirkte ganz und gar nicht menschlich. Denn es bestand aus reiner Magie – und war das Mal eines Blutmagiers; eines Antari.

Seite 24

Was mir allerdings sehr gut an Kell gefallen hat, ist, dass gleich von Anfang an deutlich wird, dass er mit den weitaus schlechteren Karten in das Spiel startet, das er gar nicht anfangen wollte. Er ist der Underdog, sein Überleben, das wird immer wieder klar, ist unwahrscheinlich. Also fiebert man mit.

Wen ich aber zum Beispiel viel interessanter fand als Kell, war Lila, mit vollem Namen: Delilah Bard, eine Diebin, mit der Kell im grauen London aneinander gerät und die dann irgendwie zu seiner Begleiterin auf seiner Mission wird. Lila ist trotzig, auf der Suche nach dem Abenteuer, vorlaut, frech und sehr gut in der Lage auf sich selbst aufzupassen.

„Unterschätzt du eigentlich jeden oder nur mich? Oder liegt’s daran, dass ich ein Mädchen bin?“
„Nein, es liegt daran, dass du ein Mensch bist“, blaffte Kell. „Du magst zwar das mutigste, frechste Wesen sein, das mir je untergekommen ist, aber du bist immer noch hauptsächlich aus Fleisch und Blut und hast viel zu wenig Magie in dir.“

Seite 381

Auch viele der Nebenfiguren fand ich sehr gelungen, wie den anderen Antari, Holland, oder Kells Bruder Rhy. Besonders über ihn hätte ich gerne noch viel mehr erfahren.

„So ist mein Bruder nun mal. Er ist eigensinnig und benutzt zum Denken meistens nicht den Kopf, sondern irgendein anderes Körperteil. Doch er ist ein guter Prinz. Denn er hat etwas, was den meisten fehlt – Einfühlungsvermögen.“

Seite 302

Okay, also, was hatten wir… Weltenbau, Setting, ein wenig Schreibstil, viel Charaktere (die liegen mir immer besonders am Herzen), was fehlt dann noch… Ach ja, Story. Dazu will ich aber gar nicht so viel sagen, sonst verrate ich am Ende nur noch irgendwas. Für mich war die Handlung aber logisch und spannend. Manchmal beruhte sie stark auf Zufall und hin und wieder wurde sie auf einmal ziemlich abgedreht – aber das hat mich überhaupt nicht gestört.

Schlussendlich muss ich sagen, dass ich von dem Buch nicht ganz so begeistert war, wie ich anfangs gehofft hatte zu sein – aber es war ein gutes Buch, ein vielversprechender Auftakt und ich freue mich jetzt schon auf das Wiedersehen mit einigen Figuren im zweiten Teil „Die Verzauberung der Schatten„, der im November auf Deutsch erscheinen wird. Für Fantasy-Liebhaber würde ich es definitiv empfehlen, für Fantasy-Einsteiger ist es aber glaube ich nichts. Aber ihr könnt mir gern das Gegenteil beweisen!

Abschließen würde ich die Rezension jetzt gerne noch mit einem Zitat aus Schwabs Danksagung an ihre Lektorin, das das Buch doch ziemlich gut zusammenfasst:

Dank Miriam gelang es mir, mit einer Mischung aus Blut, Schatten und coolen Outfits das Fundament der Trilogie zu legen.

Seite 465


 ·  Fischer TOR  ·  Taschenbuch, 493 Seiten  ·  9,99 €  ·
·  Vier Farben der Magie  ·
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