Geistermädchen [FlashbackFreitag]

Ach ja… Mit der Geschichte diese Woche bin ich eigentlich gar nicht mehr so wirklich zufrieden. Denn irgendwie sehe ich es mittlerweile gar nicht mehr als Geschichte – sondern eher als Notizen zu einer Idee, die noch eine ganze Menge offenes Potential hat. Aber ich dachte mir, dass ich sie diese Woche trotzdem mit euch teilen möchte. Deswegen jetzt also… Viel Spaß!


Es fing an als ich noch ein Kind war. Mit vier oder fünf Jahren. Ich bekam Bauchschmerzen, so stark, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte. Es passierte immer wieder und meine Eltern schleppten mich von Arzt zu Arzt. Doch niemand konnte etwas finden.
Als ich sieben war kam die Trauer. Wenn ich abends allein in meinem Bett lag, musste ich plötzlich weinen. Ich war traurig und verzweifelt, als wäre jemand gestorben, den ich sehr geliebt hatte. Doch es war nie etwas derartiges vorgefallen. Ich wurde älter und lernte, es nicht zu erwähnen – sonst schickte meine Mutter mich zum Psychiater. Also schwieg ich.
Mit neun kamen die Schmerzen im Handgelenk, als wäre es gebrochen. Zeitgleich kam auch das Brennen in meiner Schulter und an meiner Hüfte, wie von einer Schnittwunde. Es war das selbe wie mit den Bauchschmerzen: kein Arzt konnte etwas finden.
Sobald ich elf war, kam der Liebeskummer. Ich fühlte mich, als wäre ich verlassen worden und enttäuscht – ich war verletzt obwohl alle die mir wichtig waren zu mir hielten.

All das passierte immer wieder. In unregelmäßigen Abständen und in unbestimmter Reihenfolge. Ich lernte damit umzugehen und es niemals zu erwähnen. Zu groß war die Scham, wenn andere Kinder zu mir sagten ich sei verflucht. Ich schwieg, verschloss mich gegenüber allem, das von außen auf mich einwirken konnte. Nur gegen das, was in mir drin lauerte, fand ich kein Mittel.
An meinem dreizehnten Geburtstag hatte ich schließlich mein erstes Flashback. Ich wollte gerade die Kerzen auf dem Kuchen ausblasen, auf den meine Mutter jedes Jahr bestand, als es passierte. Die Ränder meines Blickfeldes verschwammen, alles um mich herum fing an sich zu drehen. Ich wurde in einen Strudel gezogen und für einen kurzen Moment war alles schwarz.
Als ich wieder klar sehen konnte, stellte ich fest, dass ich in einem Bett lag, doch es war nicht mein Bett. Ich sah mich in dem Zimmer um, das ich nicht kannte. Ich trug ein Kleid, das nicht meines war. Und in einem der fünf anderen Betten im Zimmer lag ein Mädchen, dass ich noch nie gesehen hatte. Dann wurde wieder alles schwarz und ich war zurück an meinem Esstisch, zwischen meinen Eltern. Vor mir stand mein Kuchen. Die Kerzen brannten noch. Niemand schien bemerkt zu haben, dass ich für ein paar Sekunden abwesend gewesen war. Ich verlor kein Wort darüber.
Seitdem kamen die Flashbacks immer wieder. Umso älter ich wurde, desto häufiger kamen sie. Es passierte zu den ungünstigsten Zeitpunkten. Während Klassenarbeiten, beim Schlittschuhlaufen, bei meinem ersten und einzigen Schulball. Das erste Mal, war jetzt genau drei Jahre her.
Heute war mein sechzehnter Geburtstag. Der Tag, an dem ich dem Geheimnis um meine zweite Persönlichkeit endlich näher zu kommen begann.


 

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