Cavaliersreise – Mackenzie Lee [Rezension]

Ach Leute, eigentlich weiß ich gar nicht, was ich sagen soll über dieses Buch. Und auf der anderen Seite habe ich so viel zu sagen, dass das hier eine meiner längsten Rezensionen werden könnte.

Die Liebe mag ja eine ganz famose Sache sein, aber bei Gott, sie macht es einem nicht leicht.

Seite 268

„Cavaliersreise“ von Mackenzie Lee war das Blogwillkomensgeschenk, das ich von Carlsen zugeschickt bekommen habe (Danke noch mal hierfür!) und damit mein erstes Rezensionsexemplar. Und ich hatte wirklich Angst, dass es mir nicht gefallen könnte. Ich meine klar, man soll ja auch über Rezensionsexemplare ehrlich schreiben, aber gleich beim ersten Mal mehr negatives als positives?

Zum Glück habe ich mir vollkommen umsonst Sorgen gemacht, denn in „Cavaliersreise“ habe ich mich Hals über Kopf verliebt. Dieses Buch hat mich zum Lachen gebracht, zum weinen, dazu, aus Freude höher quietschen zu wollen als meine Stimmlage es zulässt. Es hat mich gefesselt, vom Anfang bis zum Ende und hat definitiv das Potential eines meiner Lieblingsbücher zu werden.

„Ein diminutiver Beiname des … aha.“ Von dem Satz habe ich nicht die Hälfte verstanden, aber gesegnet seien die Büchermenschen und das unerschöpfliche Wissen, das man anhäuft, wenn man nur Wörter zu Freunden hat.

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Mackenzie Lee erzählt in „Cavaliersreise“ die Geschichte des jungen englischen Adligen Henry Montague, kurz Monty, der von seinem Vater im 18. Jahrhundert auf eine Kulturreise quer durch Europa geschickt wird. Und wenn er wieder kommt, soll er endlich wissen sich zu benehmen – es gab nämlich einige Skandale um den jungen Schönling, der sowohl Frauen als auch Männern gleichermaßen gern – und geschickt – den Kopf verdreht.

Ich gebe zu: am Anfang habe ich mir mit Monty schwer getan, was vermutlich Sinn und Zweck der ganzen Art und Weise ist, wie er vorgestellt wird. Er ist nicht perfekt, genau genommen ist er sogar alles andere als perfekt, und besonders am Anfang fand ich ihn arrogant, verantwortungslos und gleichgültig gegenüber den Gefühlen anderer. Aber da war diese eine Sache, die aus ihm trotzdem auch schon am Anfang einen Charakter gemacht hat, über den ich gerne gelesen habe: seine Liebe zu Percy.

Es ist nicht leicht zu erklären, dass die Liebe einen von dem geliebten Menschen forttreiben kann.

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Percy ist Montys bester Freund. Er wurde von seinem Onkel und seiner Tante großgezogen, die ihm nicht nur wegen seiner dunklen Hautfarbe einige Steine in den Weg legen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht so gut wie möglich auf Monty aufzupassen, der ihm das jedoch mehr als schwer macht.

Percy hat so schöne Hände – größer als meine, mit schmalen Fingern und beinahe etwas übergroßen Fingerknöcheln, wie ein Welpe, der in seine Pfoten erst noch hineinwachsen muss.

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Mit dabei auf der Reise ist außerdem Montys jüngere Schwester Felicity. Da das Buch aus Montys Sicht geschrieben ist, weiß man am Anfang noch nicht viel über sie, denn Monty interessiert sich nicht sonderlich für seine Schwester. Aber wenn der Leser ihr zum ersten Mal begegnet, sitzt sie lesend am Frühstückstisch. Allein dadurch war sie mir sofort sympathisch, und umso mehr ich über sie erfahren habe, umso mehr mochte ich sie.

„Frauen können es sich nicht leisten, in Bezug auf Blut zimperlich zu sein“, versetzt Felicity, woraufhin Percy und ich beide zugleich erröten.

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Zurück zur Cavaliersreise: Aus der wird nicht viel. Schon von Paris, dem ersten Zwischnstopp, muss die kleine Reisegruppe frühzeitig wieder aufbrechen, nachdem Monty einen Ball des französischen Königs gänzlich unbekleidet verlässt. Bis zur zweiten Station, Marseille, schaffen sie es dann schon gar nicht mehr wie geplant, denn ihre Kutsche wird überfallen. Und damit beginnt eine spannende Verfolgungsjagd quer durch Südeuropa, auf der Piraten, untergehende Inseln, eingesperrte Wissenschaftler und der Stein der Weisen eine wichtige Rolle spielen.

„Das hier ist keine Cavaliersreise mehr, sondern ein Abenteuerroman.“

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Ich habe es geliebt, zu sehen, wie Monty und Felicity näher zusammenwachsen, wie er und Percy miteinander umgehen, wie Monty sich entwickelt und lernt für sich einzustehen. Es gibt einige wundervolle Nebencharaktere, und ein paar, die ich ein bisschen klischeehaft fand, aber das war vollkommen in Ordnung.

„Selbst wenn es keine… romantische Beziehung ist“, sagt Felicity, „ist sie doch nicht zu übersehen. Ihr seid eins dieser Paare, bei denen man das Gefühl bekommt, von etwas Bedeutendem ausgeschlossen zu sein.“

Seite 233

Das einzige, was ich vielleicht tatsächlich kritisieren könnte, ist, dass das Buch fast schon zu viele wichtige Themen anspricht: Homo- und Bisexualität, Rassismus, Frauenrechte, Selbstmordgedanken, Leben mit einer Krankheit, wer darf eigentlich entscheiden wer lebt und wer stirbt. Doch Mackenzie Lee verpackt all das in dieser großartigen Geschichte, in der die Spannung immer weiter wächst, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Ihr kreativer, etwas anderer Schreibstil, der sich in den richtigen Momenten an die Sprache des 18. Jahrhunderts anpasst, spielt dabei eine große Rolle.
Überhaupt, dieser Schreibstil und das, was gesagt wird… Hach, so schön. Manchmal hätte ich am liebsten das ganze Buch markiert, wie sich unschwer erkennen lässt.

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Schlussendlich kann ich nichts weiter sagen, als dass ich dieses Buch liebe und es vermutlich noch wochen-, wenn nicht monatelang jedem empfehlen werden, der es hören möchte und auch denen, die es nicht hören möchten. Außerdem sind die anderen Königskinder-Bücher jetzt gesammelt auf meine Wunschliste gewandert.

Es hat sich nichts verändert, und doch ist nichts, wie es war.

Seite 196

Wem all das jetzt zu viel oder zu wirr war, dann fasse ich es noch einmal ganz kurz zusammen: Lies. Dieses. Buch.


koenigskinder-logo-cmyk_72·  Hardcover, 494 Seiten  ·  19,99 €
·  Cavaliersreise  ·
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3 Gedanken zu “Cavaliersreise – Mackenzie Lee [Rezension]

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