Frostfeuer – Kai Meyer [Rezension]

Maus ist im Keller des Hotel Aurora geboren worden, sie hat es in ihrem ganzen Leben noch nicht verlassen. Seine Außenfassade und die Stadt, Sankt Petersburg, kennt sie nur vom Namen. Sie hat ihre Eltern nie kennengelernt, wird von den anderen Angestellten nur gepiesackt und hat eine furchtbare Angst vor der Außenwelt. Doch als sie unverhofft zwischen die Fronten eines magischen Duells gerät, muss sie über sich hinaus wachsen: ein ums andere Mal.

Wo Nacht und Norden enden, liegt über Nebeln die Feste der Schneekönigin. Seite 7

Die Schneekönigin ist eine der beiden Kontrahentinnen, die sich später im Buch gegenüber stehen. Und nein, sie ist definitiv keine Elsa von Arendelle, sondern orientiert sich sehr viel mehr an Andersens Märchen und hat mich persönlich sehr an C.S. Lewis‘ Weiße Hexe erinnert (was vielleicht daran liegt, dass beide sich von Andersen inspirieren lassen. Guten Morgen, Maike.) Sie ist eine grausame Herrscherin, die herrscht um zu herrschen, ihre Untertanen unterdrückt und sich verzweifelt einen Sohn wünscht, obwohl sie doch ganz und gar aus Eis besteht – genau wie ihr Herz. Und von diesem Herzen stielt die Zauberin Tamsin Spellwell eines Tages einen Eiszapfen.

Womit wir bei unserer zweiten Zauberin wären. Tamsin ist in allem das genaue Gegenteil von der Schneekönigin: sie ist lebensfroh, bunt und überhaupt voller Farben. Sie trägt stets einen regenbogenfarbenen Regenschirm und einen altmodischen Lederkoffer voller Worte bei sich.

Man wusste nie, auf was für Ideen die Worte kamen, wenn man es ihnen allzu leicht machte. Einzeln ließen sie sich kontrollieren, doch auch das nur, wenn sie es gut mit einem meinten; falls sie sich aber zusammenrotteten und Schabernack im Schilde führten, konnten sie eine wahre Plage sein. […] Auch ein Wort war nur ein Mensch. Jedenfalls tat es manchmal so. Seite 214

Wer mich kennt, der weiß: Kai Meyer zählt zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Ich liebe seine Bücher (zumindest die meisten. Mehr dazu und eine peinliche Anekdote von meinem ersten Zusammentreffen mit ihm, könnt ihr im Book Blogger Tag nachlesen). Als ich „Frostfeuer“ also als Mängelexemplar entdeckt habe, musste es einfach bei mir einziehen. Es lag dann eine ganze Weile auf meinem SuB, aber jetzt habe ich, obwohl die Jahreszeit eher nach sommerlichen Büchern schreit, doch danach gegriffen, denn ich hatte Lust auf eine fantastische Welt, eine leichte Lektüre, ein wundervolles Märchen.

Und genau das habe ich in „Frostfeuer“ gefunden. Der Stil ist durchgehend sehr märchenhaft (siehe die Zitate), was bestimmt nicht für jeden etwas ist, mich aber wirklich begeistert hat. Außerdem spürt man deutlich, dass es eigentlich eher ein Buch für Kinder ist, das hat mich aber auch überhaupt nicht gestört, im Gegenteil. Ehrlich gesagt kann ich es kaum erwarten, es eines Tages möglicherweise meinen eigenen Kindern vorzulesen.

Du darfst dich nicht fürchten!, redete sie sich ein, aber für sie selbst klang das wie die Stimme eines Erwachsenen, der keine Ahnung hatte, wovor man sich wirklich fürchten musste: vor der Dunkelheit, zum Beispiel; vor dem Ding unter dem Bett, das sich nur zeigt, wenn das Licht erlischt. Seite 226

Maus ist dabei eine wunderbare Protagonistin, mit der ich jedoch erst warm werden musste. Das 12-jährige Mädchen, das aber mehr aussieht wie ein Junge, ist schüchtern und zurückhaltend, wird von ihren Altersgenossen gehänselt und hat in ihrem ganzen Leben nur von einem Menschen positive Worte vernommen: ihrem Freund Kukuschka. Dass es da mit ihrem Selbstvertrauen nicht so weit her ist, ist klar. Umso schöner ist es zu sehen, wie Maus ihre Ängste zu überwinden lernt, tut was sie für richtig hält, über sich hinaus wächst und dass einfach, indem sie lernt sie selbst zu sein.

Wie man vielleicht merkt, war und bin ich begeistert von dem Buch, Schwächen konnte ich kaum entdecken. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass es ein Märchen für Kinder ist: wer also grausame Schlachten, spritzendes Blut und total unvorhersehbare Wendungen erwartet, sollte besser die Finger davon lassen. Was nicht heißen soll, dass „Frostfeuer“ mich nicht auch hin und wieder überraschen konnte.

Um es kurz zu machen: „Frostfeuer“ ist ein wunderschönes Wintermärchen, dass ich Eltern mit Kindern und allen Kindgebliebenen nur empfehlen kann.

Ein weiter Weg.
Eine seltsame Frau.
Und der Beginn einer wundersamen Geschichte. Seite 10


cbt·  Taschenbuch, 300 Seiten  ·  7,95 € 
· Das Buch scheint leider regulär nicht mehr erhältlich zu sein (zumindest so weit ich das sehen konnte. Im Splitter-Verlag ist es jedoch als Graphic Novel für 19,80 € erschienen ·
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