Wie ich mit dem Schreiben angefangen habe

Ach ja, ich erzähle diese Geschichte einfach zu gerne. Und da ich in letzter Zeit irgendwie weder viel zum Lesen noch zum Schreiben komme, dachte ich, ich erzähle sie euch heute. Vielleicht ist es ja sogar ganz interessant.


Es war einmal ein Mädchen, das in die siebte Klasse des Gymnasiums ging. Dieses Mädchen – nennen wir es Maike – war eine totale Leseratte. In der siebten Klasse war sie, nach anfänglicher Verweigerung, verrückt nach Twilight, genau wie ihre beste Freundin. Und da im Unterricht aufpassen scheinbar keine Option war (was es in manchen Fächern wirklich nicht war. In anderen hätte es vielleicht sogar Sinn gemacht…), verbrachten die Beiden ihre Schulstunden regelmäßig damit, Charakterlisten zu schreiben oder FanArt zu den Bis(s)-Büchern zu gestalten.

Doch dann, eines Tages, ebbte die Begeisterung ihrer besten Freundin für Twilight fast schlagartig ab und auch alle ihre anderen Freundinnen hatten keine Lust mehr auf die immer gleiche Geschichte. Stattdessen hatten sie scheinbar alle gleichzeitig beschlossen, jetzt selber schreiben zu wollen. Die eine wollte über ein Mädchen schreiben, dass sich nachts in einen Wolf verwandelte, die andere über Jugendliche, die die Elemente kontrollierten und wieder eine andere entwarf einen komplizierten Kriminalfall. Nur Maike, die fand das ziemlich bescheuert. Sie glaubte nicht daran, dass ihre Freundinnen die Geschichten wirklich zu Ende schreiben würden (und wie sich später herausstellen sollte, hatte sie Recht damit), doch das änderte nichts daran, dass sie alle es versuchen wollten.

Nun saßen sie also alle da, im Unterricht, und planten und schrieben ihre Geschichten, tauschten sich in der Pause darüber aus und Maike, ja, Maike konnte nicht mehr mitreden. Bis es ihr eines Tages zu blöd wurde. Außerdem dachte sie sich, wenn es all meinen Freundinnen so viel Spaß macht, dann macht es mir bestimmt auch Spaß. Und so begann sie erst einmal damit, eine Liste von Namen zu erstellen, die sie schön fand.

Ihre Freundinnen zogen sie zunächst damit auf: „Willst du jetzt also doch noch schreiben anfangen?“, sagten sie. Maike widersprach zunächst beschämt, gab aber schlussendlich doch zu, dass sie eine Geschichte über zwei Zwillingsschwestern schreiben wollte, die eigentlich Feenprinzessinnen waren und ihren ersten Kuss bekamen, der alles verändern sollte.

Und so saßen die vier Freundinnen jetzt doch wieder gemeinsam in den Pausen zusammen und sprachen über ihre Ideen. Bald kamen zu den ursprünglichen Ideen neue dazu. Auch bei Maike, die jedoch ihre Twilight-Faszination nicht abschütteln konnte und die Geschichte über die Zwillingsschwestern zur Seite legte um ein Cross-Over zwischen Bis(s) und Percy Jackson, einer ihrer neuen Lieblingsreihen, zu schreiben.

Die Zeit verging, die Sommerferien kamen und ging, die achte Klasse begann. Und nach und nach gaben all ihre Freundinnen ihre Geschichten auf, legten sie beiseite und vergaßen sie. Nur Maike, ja, Maike, hatte längst einen Narren am Schreiben gefressen. Akribisch arbeitete sie weiter an ihrer FanFiction und auch an ersten kurzen eigenen Geschichten, obwohl sie damit jetzt alleine war.

Denn im Schreiben hatte sie etwas gefunden, das ihr unglaublich viel Freude schenkte, jeden Tag und das sie um keinen Preis mehr missen wollte. Und um so mehr sie schrieb, um so mehr liebte sie es.

Wieder verging viel Zeit. Maikes Lebenstraum, eines Tages als Meeresbiologin zu arbeiten, wandelte sich ein wenig: sie wollte nebenher schreiben, als Hobby. Doch als dann in der zehnten Klasse das Berufspraktikum anstand, bewarb sie sich bei der Zeitung, nicht am Seenforschungsinstitut. Und sie hatte eine wundervolle Woche. Ihr (großartiger) Deutschlehrer unterstützte sie, gab ihr Tipps und das Gefühl, dass sie tatsächlich schreiben konnte. Und obwohl sie neun Jahre lang, also mehr als ihr halbes Leben lang, davon geträumt hatte, Meeresbiologin zu werden, begrub sie diesen Traum nun. Denn sie war sich nun ziemlich sicher, dass sie ihren Lebensunterhalt eines Tages mit dem Schreiben verdienen wollte.

Nicht einmal unbedingt als Vollzeit-Autorin. Maike träumte zwar groß, aber sie war nicht (allzu) naiv. Nein, ihr würde es reichen eine Anstellung als Lokaljournalistin zu finden und nebenher, Zuhause, nach Feierabend, ihre Geschichten schreiben zu können. Das wollte sie, davon träumte sie und darauf wollte sie hinarbeiten.

Dieser Traum wackelte, in der Oberstufe. Selbstzweifel quälten sie, denn ihre neue Deutschlehrerin gab ihr überhaupt nicht das Gefühl Schreiben zu können – im Gegenteil. „Du solltest dich im Mündlichen mehr anstrengen, im Schriftlichen sehe ich bei dir kaum Potential“, sagte sie. Maike weinte – um ihren Traum, den sie doch noch gar nicht so lange träumte und der dennoch wieder in weite Ferne zu rücken schien. Doch dann erinnerte sie sich daran, warum sie eigentlich schrieb: für sich selbst, weil es ein Teil von ihr war und es sie glücklich machte. Ist doch egal, was die dumme Kuh von Lehrerin sagt.

Und so überwand Maike das Tief, fand den Spaß am Schreiben wieder und wagte es, ihren Traum weiter zu träumen und für ihn zu arbeiten. Und wenn sie nicht gestorben ist (was sie nicht ist, denn sie schreibt gerade diesen Beitrag), dann tut sie das noch heute.

– Ende – 


Und was ist die Moral von der Geschichte? Ich glaube, da gibt es mehrere. Zunächst einmal: lehne nicht ab, was du nicht kennst, es könnte das werden, was du am meisten liebst (ist mir passiert bei Twilight, Harry Potter und – dem Schreiben). Und zweitens: Lass dich nicht unterkriegen von anderen, lass dich nicht schlecht reden, sondern glaube an dich selbst. Wenn du das eine gefunden hast, dass dich glücklich macht, dann wirf es nicht weg. Halte es fest, arbeite hart und eines Tages wird dein Traum – vielleicht – in Erfüllung gehen.

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2 Gedanken zu “Wie ich mit dem Schreiben angefangen habe

  1. effieweka schreibt:

    Hat dies auf effifanblog rebloggt und kommentierte:

    Ja, das mit den Geschichten lesen und dann selber schreiben wollen – akribisch recherschieren und sich Namen, Orte und Handlungen ausdenken…und damit im näheren Umfeld alleine dastehen…ja, das kommt mir bekannt vor 😀

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