Sad End eines Filmprojekts [FlashbackFreitag]

Also den perfekten Titel zu finden, das ist jetzt nicht so meine Stärke. War es nie, wird es nie sein. Deswegen übernehme ich jetzt einfach den, den ich dieser Geschichte vor Jahren gegeben habe, auch wenn er mir eigentlich nicht so gut gefällt.

Ich hoffe euch gefällt die Geschichte aber trotzdem 😉 Viel Spaß!


„Herzlichen Glückwunsch. Du bist dabei.“ Das waren die Worte von Harold gewesen, die mich hierher brachten. Und der Umschlag, den er mir bei diesen Worten in die Hand drückte war der, der mir diesen Schlamassel eingebrockt hatte. Er hatte die Spielregeln und meine Rollenbeschreibung enthalten. Die Spielregeln – Spielregeln, die im Grunde unser Script waren. Es waren die Spielregeln für das Rollenspiel, das wir spielten. Und in diesem Rollenspiel hatte ich die Rolle von Dream erhalten. Dream, die jedem Jungen den Kopf verdrehen sollte. Die ihre Reize zeigte und mit jedem flirtete. Die anzügliche Bemerkungen machte, sich aber niemals irgendwem hingab.

Ich hatte mich über diese Rolle gefreut, weil ich dachte, dass sie eine tolle Übung wäre. Eine Übung wie dieses ganze Rollenspiel eine Übung für mich war. Dieses Spiel ohne direktes Drehbuch. Indem es um acht Jugendliche ging, die gemeinsam in einem Wohnheim lebten. Jeder von uns hatte eine Rollenbeschreibung bekommen und diese Rollen spielten wir ganz frei seit zwei Wochen. In jeder Sekunde wurden wir gefilmt. Immer wurden wir beobachtet. Und Harold, der Regisseur, der die Strippen in der Hand hielt, tauchte ab und zu als Hausmeister auf um uns diskret weitere Anweisungen zu geben. Keiner von uns wusste, was für Anweisungen der andere erhielt. Wir sollten spontan auf alles reagieren und durften niemals aus unserer Rolle hinaus fallen. Am Ende würde der Film geschnitten werden und wir durften ihn als Semesterarbeit abgeben. Meine dritte Semsterarbeit an der Hochschule für Schaupiel. Ich war davon ausgegangen, dass es einfach werden würde sie fertig zu stellen. Aber dann kam Will.

Will war der zweite Grund für den Schlamassel in dem ich steckte. Er war einer der anderen Schauspieler in diesem Spiel. Seinen richtigen Namen kannte ich nicht. Seinen wahren Charakter kannte ich nicht. Aber im Spiel war er ein Shakespear-verrückter Jungschauspieler, der kurz vor seinem Sprung auf die große Bühne stand. Selbstbewusst und fürsorglich, aber mit dunkler Vergangenheit. Tja, und Will war der Junge, der mir den Kopf verdreht hatte. Dem ich mich gerne hingeben würde, aber nicht durfte. Der mich als Schlampe bezeichnenen würde, wenn ich es tat und danach wieder in meine Rolle schlüpfte. So ein Scheiß.

Heute noch denke ich oft, dass es eigentlich viel einfacher gewesen wäre, als ich damals gedacht hatte. Immerhin hatte ich die Insider-Information von meinem Cousin darüber, wie ich meine Worte vor den Kameras verbergen konnte. Immerhin hatte ich gewusst, dass man mich nicht hinauswerfen würde, wenn ich es Will heimlich verraten würde – ihm verraten, was meine Rolle war um dann zu hoffen, dass er darauf warten würde, bis das Spiel vorbei war. Heute weiß ich, dass ich einen Großteil der Geschehnisse hätte verhindern können, wenn ich es ihm gleich gesagt hätte. Dass ich dadurch vielleicht Arthurs Tod hätte verhindern können, der Tod, der keineswegs gespielt gewesen war, sondern echt. Aber nein, es war nicht Arthur, der gestorben war – das war nur Phillips Rolle gewesen. Sie hatte ihn umgebracht, aber er war es, der gestorben war. Ich wusste, dass es nur ein Unfall gewesen war. Ich wusste es. Und ich wusste auch, dass ich seinen Tod hätte verhindern können. Meine Psychologin sagt mir immer, dass das nicht stimmt und dass es nicht hilfreich ist, mir das einzureden. Aber ich weiß es besser. Jede Nacht sagt mir Phillips totes Gesicht im Traum, was ich sowieso schon weiß. Ich hätte seinen Tod verhindern können.

Aber damals hatte ich es nicht gewusst. Damals war ich nur froh, dass Will bei mir war. Seinen richtigen Namen kenne ich bis heute nicht. Ich habe ihn nie wieder gesehen. Aber unseren Sohn habe ich trotzdem nach ihm benannt. Will.

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