Diebesgut [FlashbackFreitag]

Hallo ihr Lieben,

diese Woche ist der Text für den FlachbackFreitag wieder ein bisschen länger. Geschrieben habe ich diese Geschichte zum ersten Mal 2013, wenn ich mich recht entsinne. Inspiriert war ich dazu, da bin ich mir ziemlich sicher, von dem Buch „Meisterklasse“ von Ally Carter (das übrigens zu meinen Lieblingsbüchern gehört).

Später habe ich dann eine zweite Version der Geschichte geschrieben, für ein Gewinnspiel auf Facebook, die dann tatsächlich eine FanFiction war zu Meisterklasse, für die ich aber auch irgendwie Inspiration aus Kai Meyers Arkadien-Trilogie gezogen habe. Klingt kompliziert? Ist es aber eigentlich gar nicht. Vielleicht teile ich auch den Text irgendwann hier – wenn euch das überhaupt interessieren würde?

So, jetzt aber erst mal viel Spaß mit dem ursprünglichen Text!

Liebe Grüße,

Maike


Ich hing gerade den Rahmen mit der Fälschung wieder auf, als wir die Sirenen hörten. Ich sah Bee an, der gerade das Gemälde in die Rolle packte. Bee hieß eigentlich Bertram, aber diesen Namen fand er so hässlich, dass er schon immer nur den ersten Buchstaben benutzte. Und aus B wurde irgendwann Bee.

„Wie kann das sein?“, fragte ich ihn flüsternd. Seit drei Jahren arbeiteten wir schon zusammen und wir zählten zu den Besten. Es war unmöglich, dass die Polizei uns jetzt kriegen würde.

„Ich weiß es nicht. Vielleicht gibt es ja doch einen stummen Alarm“, antwortete Bee.

„Tut es nicht, und das weißt du auch. Immerhin hast du die Sicherheitsunterlagen besorgt. Und ausgelöst haben wir auch nichts, dazu sind wir zu gut.“ Es war gar nicht so arrogant gemeint wie es klang, aber die Sicherheitsvorkehrungen dieses privaten Sammlers waren lächerlich. Jeder könnte sie überwinden.

„Und was machen wir jetzt?“

„Verschwinden“, sagte ich, schnappte mir meinen Rucksack und lief los. Bee hielt mich zurück kurz bevor ich um die Ecke biegen konnte und die Polizei mich durchs Fenster gesehen hätte.

„London, 2011“, meinte Bee. Ich nickte, hatte verstanden. Ich gab ihm den Rucksack und er packte die Rolle mit dem Maulbertsch hinein.

„Wir sehen uns draußen“, flüsterte ich, ging auf die Knie und machte mich davon. Im Keller fand ich ein Fenster, dass in den Nachbargarten führte. Ich brach es auf und kroch hinaus. Auf dem Weg zur Straße zog ich meinen schwarzen Pulli aus, die grüne Jacke wieder an. Die lautlosen Stoffsohlen verlor ich ebenfalls. Wenn man nicht auffallen will, muss man so auffällig wie möglich sein. Ich wusste, dass niemand auf mich achten würde. Bee kam nämlich in genau diesem Moment mit erhobenen Händen aus dem Haus um sich ‚zu stellen‘. Ich blieb an der Hausecke stehen und tat so, als hätte ich schon die ganze Zeit hier gestanden. Und während ich mich mental darauf vorbereitete ängstlich und jung auszusehen, überlegte ich, wie die Polizei uns gefunden hatte. Wir hatten keinen Alarm ausgelöst, dessen war ich mir sicher. Also musste uns jemand verraten haben. Aber auch das war unmöglich. Nur unsere Familie wusste, dass wir heute hier sein würden. Meine Familie das waren meine Bees Cousine Haley, Onkel Joe (der eigentlich mit keinem von uns verwandt war) und Dad.

Dad war eigentlich Bees Dad, aber alle nannten ihn nur Dad, sogar Onkel Joe, obwohl er viel älter war als Dad. Und dann gab es noch Bee. Wir hatten uns vor drei Jahren auf der Straße kennen gelernt, als ich versuchte seinem Dad die Brieftasche zu stehlen. Ich habe mich nicht dumm angestellt, Dad hatte es noch nicht einmal gemerkt – aber Bee schon. Aber anstatt mir die Polizei auf den Hals zu hetzen, haben sie mich in ihre Familie aufgenommen. Niemand von ihnen würde Bee und mich verraten. Zumal sie alle selbst auch unterwegs waren.

In diesem Moment rief einer der Polizisten durch sein Megafon: „Und jetzt legen sie den Rucksack langsam ab und machen drei Schritte davon weg.“ Ich sah zum Haupteingang des Hauses. Bee stand auf der Veranda und tat was der Beamte verlangte. Das Haus war umringt von drei Einsatzwagen der örtlichen Polizei und einem Fahrzeug in Zivil. Auch der Mann mit dem Megafon war in Zivil. Er war groß und bullig. Perfekt. Zwei Polizisten griffen sich jetzt Bee. Einer hielt ihn fest, während der andere ihn nach Waffen absuchte. Das konnten sie sich auch sparen. Das Messer in der Schuhsohle würden wiese Stümper sowieso nicht finden. Als sie fertig waren legten sie Bee Handschellen an. Ganz zufällig begegneten sich unsere Blicke.

„Meine Schwester!“, rief er. „Sie müssen ihr helfen!“ Alle Beamten blieben wie angewurzelt stehen, ließen ihn aber nicht los.

Was ist los?, formte ich mit den Händen. Ich blickte verängstigt von Bee zu den Beamten und zurück.

„Du! Komm her!“, rief der in Zivil. Ich blieb stehen. „Ich sagte du sollst herkommen!“ Ich blickte immer noch verstört zu Bee.

„Sie ist taub-stumm. Sie kann sie nicht verstehen“, erklärte er. Der Mann schien nachzudenken. „Spricht einer von ihnen dieses Handgefummel?“, rief er den Beamten zu. Alle schüttelten den Kopf. „Ich kann es“, meinte Bee.

„Nein. Du bist verhaftet“, entgegnete der Mann. Kurzerhand kam er einfach auf mich zu. „Ich bin von der Polizei. Wir wollen dir nichts tun“, sagte er langsam. Aber ich konnte ihn ja nicht verstehen. Ich wich zurück bis mein Rücken an die Wand stieß. Dann versteckte ich mich hinter meinen Armen und begann verstört den Kopf zu schütteln als der Mann nicht stehen blieb. Schließlich tat er es doch.

„Sehen sie denn nicht dass sie Angst hat? Bitte, lassen sie mich kurz mit ihr reden. Ich bin alles was sie kennt“, bettelte Bee. Und es wirkte.

„Gut. Bringt ihn her!“ Die Beamten schienen etwas erstaunt, taten aber auch was ihnen gesagt wurde.

Ich habe Angst, formte ich.

„Sie müssen mir die Handschellen abnehmen.“ Auch das taten die Beamten etwas widerwillig, aber sie taten es. Trotzdem blieben sie argwöhnisch in unserer Nähe.

Es wird alles gut, formte Bee. Diese Männer sind von der Polizei. Sie wollen nur kurz mit mir sprechen, dann komme ich wieder nach Hause. Wir mussten dieses Spiel noch ein wenig spielen, bis wir sicher sein konnten, dass uns auch wirklich niemand verstand.

Darf ich mitkommen?, fragte ich.

Ich glaube nicht, aber ich kann sie mal fragen. Ich sah mich verstohlen um. Alle Polizisten schienen neugierig, über was wir wohl sprachen. Keiner schien von Bee zu erwarten, dass er tatsächlich eine Frage stellte.

Die Luft ist rein, formte ich.

Gut. Nach meinem Zeichen noch fünf Sekunden. So wie damals, klar?

Klar. Ich lächelte leicht. Sie fallen immer wieder darauf rein.

Vielleicht sollten wir ihnen vorschlagen einen Aktenaustausch mit anderen Ländern zu fördern. Bee und ich führten dieses Gespräch nicht zum ersten Mal. Doch normalerweise redeten wir dabei laut und saßen bei Haley in der Küche, während wir darauf warteten, dass Dad mit Pizzas kam.

Jetzt, formte Bee. Ich begann irgendetwas über die Sonne zu sagen, zählte aber im Kopf nur runter. Zwei. Eins. Null.

Ich rannte los und stieß dabei zwei Polizisten um. Ich hörte wie Bee über sie drüber sprang und mir folgte. Um mich umzusehen hatte ich keine Zeit. Ich rannte um so viele Ecken wie möglich, immer in die kleinste Straße. Ich wusste ziemlich genau wohin ich rannte und das war auch gut so, denn die Polizei folgte uns zu Fuß und mit den Autos.

Irgendwann bog ich mit voller Absicht in eine Sackgasse. Am Ende der kurzen Straße befand sich ein Trampelpfad, der direkt zu unserer Fluchtmöglichkeit führte: Der Kanalisation. Wir zählten zu den Besten weil wir vorsichtig waren. Und dazu gehörte nun mal auch, immer eine Fluchtmöglichkeit zu haben.

Ich rannte den Pfad entlang und stieg in den offenen Tunnel. Bee folgte mir auf dem Fuß. Hinter sich ließ er den Deckel wieder zu fallen und verschloss ihn mit einem Vorhängeschloss. Die Polizisten waren schnell, aber nicht schnell genug um mit zwei Jugendlichen mitzuhalten, die seit frühster Kindheit nur auf der Flucht waren.

Wir rannten im Kanal weiter. Immer noch um so viele Ecken wie möglich, falls jemand dem Geräusch unserer Schritte folgte. Erst nach ein paar Minuten blieben wir stehen und lauschten. Alles war still. Wir waren allein.

„Wir haben es geschafft“, meinte Bee schwer atmend, aber noch nicht außer Atem. Wir waren schon über längere Strecken gerannt.

„Hast du etwas anderes erwartet?“, fragte ich.

„Nein. Aber du solltest wirklich zum Theater gehen. Deine Vorstellung war erstklassig.“

„Danke.“ Ich lächelte. „Aber du warst auch nicht schlecht.“

„Wir könnten wirklich einen Oskar gewinnen.“ Er schwieg kurz und sein Lächeln verschwand wieder. „Mir tut es nur um den Maulbertsch leid. Die Familie hätte ihn gut gebrauchen können.“ Da hatte er Recht. Wir klauten meistens nicht für uns selbst sondern für andere. In diesem Fall für die Cousine zweiten Grades des Sammlers, den wir bestehlen wollten. Sie wollte das Gemälde verkaufen und von dem Geld das Studium ihrer Tochter finanzieren. Nur war ihr Cousin leider ein alter Geizhals, der behauptete sie hätte kein Recht auf das Bild. Also hatten wir ihr helfen wollen. Natürlich gegen einen kleinen Anteil aus dem Erlös, von irgendwas mussten wir schließlich auch leben.

„Wir müssen es einfach irgendwann noch mal versuchen.“

„So viel Zeit bleibt uns aber nicht mehr. Die Studiengebühren der Tochter müssen bis November bezahlt worden sein“, antwortete Bee. „Und nach diesem Vorfall wird der Kerl seine Sicherheitsvorkehrungen verstärken.“

„Ich weiß.“ Ich seufzte. „Lass uns nach Hause gehen. Vielleicht hatten Onkel Joe und Haley mehr Glück.“

„In Ordnung.“ Bee legte mir einen Arm um die Schultern und küsste mein Haar bevor wir uns auf den Weg machten. Hier unten kannte er sich bestens aus. Deshalb ging er voran und ich folgte ihm.

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