Friedhofsszene [FlashbackFreitag]

Hallo ihr Lieben!

diese Woche ist die Szene im FlashbackFreitag etwas kürzer und noch nicht ganz so alt – ich glaube, die hier habe ich letztes Jahr während der Buchmesse geschrieben. Trotzdem fand ich irgendwie, das ich es heute teilen sollte. Vielleicht weil ich in letzter Zeit öfter wieder daran gedacht habe oder weil es letzte Woche schon um den Tod ging, keine Ahnung.

Eigentlich habe ich mehr als genug Ideen um hieraus ein ganzes Buch zu schreiben, aber momentan stehen erst mal andere Geschichten im Vordergrund. Aber wer weiß, eines Tages vielleicht?

Jetzt aber viel Spaß (und hoffentlich ein wenig Gänsehaut)!


Ich richtete mich auf und blinzelte die Tränen weg. Noch immer konnte ich nicht benennen, was mich dazu bewogen hatte mitten in der Nacht das Grab meines Vaters zu besuchen. Ich drehte mich um und ging auf das eiserne Tor zu. Der Kies knirschte unter meinen Füßen und blieb an meinen Schuhen hängen. Bei jedem Schritt fielen die kleinen Steinchen wieder herunter und es klang, als würde direkt hinter mir noch jemand gehen. Aber als ich mich umdrehte, war da niemand. Ich schluckte. Da war nichts. Nichts, außer der Stille und den Gedanken, die die Toten mit sich brachten. Ich begann zu rennen. Ohne es zu merken, presste ich die Hände auf meine Ohren, versuchte sie auszusperren.
„Lasst mich in Ruhe!“, schrie ich. Aber es half nichts. Nicht dieses Mal, nicht heute Nacht.
Dicke Wolken schoben sich vor den Vollmond, der Weg vor mir wurde rabenschwarz und das rettende Tor rückte in weite Ferne. Ich streckte die Hände aus, aber ich wusste, dass ich es nicht rechtzeitig erreichen würde. Quietschend fiel es vor mir zu, das Schloss klickte zum ersten Mal seit Jahrzehnten in einander und sperrte mich ein.
Ich versuchte meinen Lauf abzubremsen, fing mich an den eisernen Gitterstäben auf. Kalt bohrten sich die harten Kanten in meine Handflächen. Erste Finger von Raureif zogen über den Boden und die Mauer auf mich zu. Ein Windstoß fuhr unter meinen dünnen Cardigan und ließ mich frösteln. Die Härchen in meinem Nacken stellten sich auf und immer deutlicher spürte ich den Blick toter Augen.
All die Warnungen meiner Großmutter, das harte Training der letzten Jahre – wie hatte ich all das eben vergessen können? Jetzt kam es auf einen Schlag zurück. Es kostete mich Kraft, aber ich beruhigte meine Atmung und meinen Herzschlag, während ich spürte wie sie immer näher kamen. Ich war so gut wie tot. Wenn sie sich erst einmal eine Beute gesucht hatten, ließen sie sie nicht mehr laufen. Aber ich würde es versuchen. Ich musste einfach.
Mit einem letzten tiefen Atemzug drehte ich mich um.

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